Gedenkdienst: Kritik an Strasser

3. Februar 2002, 14:39
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Auslandsdienst im Montrealer Holocaust-Museum wegen Sparkurs des Innenministers gefährdet - Jüdische Gemeinde springt ein

Wien - Seit fünf Jahren versehen österreichische Gedenkdiener ihren Ersatz-Zivildienst im Holocaust-Museum in Montreal. Bezahlt wurde der einjährige Auslandsaufenthalt bisher immer vom Innenministerium. Doch nach den Kürzungen der Bundesregierung im Bereich des Zivildienstes im Ausland drohte diesem Projekt das Aus.

Um die Zusammenarbeit fortsetzen zu können, finanziert die Jüdische Gemeinde Montreals ab 1. März 2002 zwei Gedenkdiener aus Österreich. Der Gründer des Gedenkdienstes in Österreich, der Innsbrucker Politologe Andreas Maislinger, sieht darin "eine Teilabkehr vom ursprünglichen Konzept des Gedenkdienstes".

Derzeit sind drei österreichische Auslands-Zivildiener im Holocaust-Museum in Montreal tätig, die noch vom Innenministerium finanziert werden. "Der Beitrag und die Hingabe der Gedenkdiener ist lobenswert, unermesslich und entscheidend", bestätigt auch die Direktorin des Montreal Holocaust Museum, Ann Ungar. Die Kooperation mit Österreich sei bisher dermaßen erfolgreich verlaufen, dass jeder der Gedenkdiener auch als Angestellter des Museums weiterarbeiten hätte können.

Maislinger: "Ständig Schwierigkeiten mit der Finanzierung"

"Montreal ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie beliebt österreichische Gedenkdiener in der ganzen Welt sind", so Andreas Maislinger. Es sei ihm durchaus bewusst, dass der Gedenkdienst in den vergangenen zehn Jahren seines Bestehens enorm gewachsen ist: "Doch anstatt, dass man sich in Österreich darüber freut, gibt es ständig Schwierigkeiten mit der Finanzierung."

Kritik übt Maislinger an Innenminister Ernst Strasser (ÖVP): "Österreich kann sich den Gedenkdienst in der jetzigen Form sehr wohl leisten. Nur scheint Strasser leider geringes Interesse am Gedenkdienst zu haben." Jedenfalls entstehe daraus nun die einmalige Situation, dass sich eine Jüdische Gemeinde in Kanada österreichische Gedenkdiener selbst finanziert.

Maislinger, der 1992 den Gedenkdienst in Österreich ins Leben rief, versteht auch die Kritik an seinem Projekt: "Es heißt immer, wir sollen eben nicht so viele Gedenkdiener entsenden, wenn nicht genug Geld dafür da ist. Aber wieso sollen wir etwas, das so gut funktioniert, nicht wachsen lassen?" Seit 1992 leisteten mehr als 200 Gedenkdiener Zivil-Ersatzdienst in Holocaust-Organisationen weltweit. (APA)

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