KHM-Generaldirektor Seipel ortet "persönlichen Angriff" von Seiten der Grünen

3. Februar 2002, 14:33
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Scharfe Kritik an parlamentarischer Anfrage

Wien - Über die in der Vorwoche von den Grünen eingebrachten parlamentarischen Anfragen an Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) zur Gebarung des Kunsthistorischen Museums (KHM) mag sich KHM-Generaldirektor Wilfried Seipel nur noch wundern. "Eine so schlecht informierte und so schlecht vorbereitete Anfrage, die vor Unwissenheit, falschen Informationen und Unverfrorenheit strotzt, ist mir noch nicht untergekommen", meinte Seipel.

"Eine kulturpolitische Zielrichtung oder einen inhaltlichen Beitrag" kann Seipel im grünen Fragenkatalog nicht erkennen, wohl aber einen "persönlichen Angriff gegen mich". Die Behauptung, dass dem KHM-Jahresabschluss 1999 der uneingeschränkte Prüfungsvermerk der damit betrauten Wirtschaftsprüfungskanzlei fehle, "stimmt nicht" betonte Seipel. "Der Bericht ist mit uneingeschränkten Vermerk versehen und beim Handelsgericht einsehbar."

Auch die "Unterstellung", das KHM habe für 2000 keine Miete bezahlt, dafür aber dennoch die entsprechend erhöhte Basisabgeltung erhalten, wird zurückgewiesen. "Das KHM ist 1999 als erstes Bundesmuseum in die wirtschaftliche Selbstständigkeit als wissenschaftliche Anstalt entlassen worden und damit noch vor In-Kraft-Treten des Bundesmuseumsgesetzes. Es hat daher im Jahr 1999 die Miete von neun Millionen Schilling (654.056 Euro) noch nicht abgeführt, dafür aber eine entsprechend geringere Basis-Subvention von 188 Millionen Schilling bekommen. Seit In-Kraft-Treten des Gesetzes am 1.1. 2000 werden von uns die Mietvorschreibungen des Wirtschaftsministeriums ordnungsgemäß bezahlt, und wir erhalten dafür nun die volle Basisfinanzierung von 197 Millionen Schilling, und das steht auch in der Bilanz."

Auch eine Verknüpfung der Erhöhung des Personalstands mit einem Rückgang in der Besucherstatistik weist Seipel zurück. "Seit 1995, seit den Sparpaketen der Regierung, sind 30 Dienstposten im Museum nicht mehr nachbesetzt worden. Dagegen mussten mit dem Eintritt in die Selbstständigkeit neue Stabstellen gegründet werden, so ein Gebäudemanagement - wir haben jetzt ja 80.000 Quadratmeter zu betreuen -, das die Agenden der Burghauptmannschaft übernehmen muss, und wir hatten ein eigenes Finanzmanagement aufzubauen. Es ist wichtig und richtig, dass so ein Unternehmen ein eigenes Finanzmanagement braucht.", meinte Seipel. Für eine "blöde Rederei" hält er dagegen Diskussionen, ob dieses von einem zweiten Geschäftsführer oder von einem mit diesen Agenden betrauten Prokuristen besorgt werden soll.

Mehr zahlende Besucher, Zahl der freien Eintritte gesenkt

Zu den in den Kulturberichten ausgewiesenen Besucherrückgängen betont Wilfried Seipel, dass das KHM seit 1999 die Anzahl der freien Eintritte herabgedrückt habe: 1999 waren es bei den nichtzahlenden Besuchern um 70.000 weniger, 2000 gegenüber 1998 um 150.000. Als "Abwärtstrend" könne das aber ganz und gar nicht dargestellt werden, so Seipel. Denn während die freien Eintritte schrumpften, wäre der Anteil der zahlenden Besucher von 1999 auf 2000 gestiegen. Und 2001 könne das KHM eine Besuchersteigerung von rund 30 Prozent im Haupthaus und von rund 18 Prozent in allen Institutionen (von 1.153.092 auf 1,401.562 Besucher) verzeichnen.

Im Vergleich mit den weiteren bedeutenden Bundesmuseen entfielen laut Seipel damit rund 50 Prozent der Museumsbesucher auf das KHM und seine Standorte, im Jahr 2001 betrage dieser Anteil gar 55 Prozent. Die Rekordmarke von 1998 mit 1,6 Millionen Besuchern führt Seipel auf die Breughel-Ausstellungen zurück, während die Rückgänge im Jahr darauf aus dem Verzicht auf teure Großprojekte resultierten.

Differenzen zwischen dem letzten Rechnungsabschluss für das KHM zum 31.12. 1998 und der Eröffnungsbilanz als neue selbstständige Anstalt per 1.1.1999 - mit unterschiedlichen Bewertungen von Beteiligungen und des Bestands an Katalogen und Publikationen - werden von der Leiterin des Rechnungswesens, Gabriele Zugay, mit der Umstellung von der Kameralistik auf die doppelte Buchhaltung begründet. Als nachgeordnete Dienststelle hätte das KHM gar keinen Rechnungsabschluss zum Jahresende 1998 legen können.

"Da der Bund Druckwerke des Museums, wissenschaftliche Publikationen in den Schriftenreihen des Hauses und Kataloge für Sonderausstellungen zur Verfügung stellen wollte, hat die Teilrechtsfähigkeit diesen ureigensten Bereich des Museums vorfinanziert", betonte Zugay. Der teilrechtsfähige Bereich gehe auch davon aus, dass das Museum die Bestände abnimmt - und damit auch das Absatzrisiko und die Abwertungen trägt. Für den Teilrechts-Abschluss habe also Paragraf 206 des Handelsgesetzbuches mit einer Bewertung nach den Anschaffungs- bzw. Herstellkosten gegolten, so Zugay. Eine Abwertung hätte für das KHM vorgenommen werden müssen, was im Rahmen der kameralistischen Verrechung aber nicht gegangen sei.

Erst mit der Eröffnungsbilanz habe die Abwertung korrekterweise vorgenommen werden können. Wobei diese mit Stichtag 1.1. 1999 erst am 30.6. aufgestellt wurde. Da wäre man "um einiges schlauer" gewesen, was die Bewertung des Lipizzaner-Museums (der "Museums Collection Design- und Vertriebs GesmbH) betrifft, meinte Zugay. Und nach dem Wertaufhellungsgebot müssten bei Erstellung der Bilanz auch danach neu hervorgekommene Tatsachen und Erkenntnisse berücksichtigt werden. Die neue Erkenntnis war, dass die 15 Millionen Schilling Investitionen für das Lipizzanermuseum und den Shop nicht so schnell rückfließen würden - daher die Wertminderung, die Zugay als "temporäre" Maßnahme bezeichnete.

Bei steigenden Besucherzahlen von rund 62.000 im Jahr 2000 auf 73.000 Besucher 2001 könnten die 15 Millionen für das Lipizzanermuseum nicht als uneinbringbare Fehlinvestition angesehen werden, und der Bestand der alten Hofapotheke sei damit auch noch gerettet worden, argumentierte Zugay.

Dass die Eröffnungsbilanz unter dem Titel Sozialkapital 14,324 Millionen Schilling Forderungen an den Bund enthält, wird mit dem Tauziehen um die Übernahme der sozialen Verpflichtungen für das (zum Gutteil beamtete) Personal begründet. Seitens des Bundes wurden dafür zusätzliche Mittel verweigert, akzeptiert wurde jedoch, diese Forderung in die Eröffnungsbilanz einzuschreiben: "Inzwischen haben wir dieses Sozialkapital selbst aufgebracht. Der Bund war bereit, uns zwei Millionen Schilling für Pensionsrückstellungen zu überweisen." (APA)

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