Nächster Halt Baden?

3. Februar 2002, 12:44
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Niederösterreich gibt die Hoffnung auf eine U-Bahnverlängerung nicht auf - Für Wien ist der Zug längst abgefahren

Wien - Die vor allem von niederösterreichischer Seite gewünschten Verknüpfung der Badner Bahn mit der Wiener U-Bahn-Linie U 6 wird bis zum Sommer auf ihre Machbarkeit geprüft. Von Wiener Seite ist das Interesse daran gering: Auch in der vierte Ausbaustufe der U-Bahn - die Projekte sollen dem Vernehmen nach Mitte Februar bei der SP-Klubtagung in Rust bekannt gegeben werden - werde es keine Verlängerung in das Wiener Umland geben, heißt es im Rathaus.

In Niederösterreich hat man die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Schließlich sei die Prüfung der technischen Auswirkungen einer Verbindung von U-Bahn und Badner Bahn eine gemeinsame Initiative der beiden Landeshauptleute Michael Häupl (S) und Erwin Pröll (V), betonte Niederösterreichs Landesverkehrsplaner Friedrich Zibuschka.

Ein Arbeitskreis unter der Leitung Zibuschkas und des Wiener Baudirektors Gerhard Weber soll erheben, ob Garnituren der Badner Bahn auf den Gleisen der U 6 bis Floridsdorf fahren könnten, ohne das Sicherungssystem der U-Bahn mit ihrem Zweieinhalb-Minuten-Takt zu stören. Zibuschka: "Technisch geht es. Jetzt untersuchen wir, ob es vernünftig ist, es auszuprobieren." Die U 6 umgekehrt auf der Badner Bahn fahren zu lassen, stehe nicht zur Diskussion.

Zu dünne Besiedelung

Für Zibuschka ist eine Verknüpfung bestehender Verkehrsmittel - etwa auch zwischen U 4 und der West- bzw. der Franz-Josefs-Bahn - die einzige denkbare Variante in der heiß diskutierten Frage, ob U-Bahn-Linien über die Wiener Stadtgrenze hinaus führen sollen. Neubaustrecken der U-Bahn ins Umland hält auch er nicht für machbar, das habe auch eine Untersuchung der Planungsgemeinschaft Ost (PGO) ergeben: "Das macht keinen Sinn. Die Besiedelung ist für die Kostenrelation zu dünn."

Ungeklärt ist die Finanzierung: Für Zibuschka steht diese Frage an letzter Stelle. Zuerst müsse man die Möglichkeiten prüfen und den politischen Konsens suchen. Deshalb seien in dieser Frage bisher nur der Wiener Planungsstadtrat Rudolf Schicker (S) und die Wiener Linien, nicht aber Finanzstadtrat Sepp Rieder (S) eingebunden gewesen. Niederösterreich schwebe jedenfalls "eine Kostenteilung nach nachvollziehbaren Kriterien" vor, so Zibuschka.

Vor allem aus diesem Grund hält man auf Wiener Seite die Realisierung für unwahrscheinlich. Weder der Bau noch der Betrieb dieses Projekts könne von Wien mitfinanziert werden, hieß es im Büro des Bürgermeisters. Auch von Seiten Rieders machte man aus der Ablehnung kein Hehl: "Die Planer sollen sich ruhig den Kopf zerbrechen, für uns ist das kein Thema", bekräftigte ein Sprecher. (APA)

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