Costa Rica: Präsidentenwahl geht in zweite Runde

4. Februar 2002, 14:01
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Christlich-sozialer Kandidat Pacheco (Bild) liegt vor Sozialdemokrat Araya - Stichwahl notwendig

San Jose - Erstmals seit einem halben Jahrhundert wird in Costa Rica eine Präsidentenwahl vermutlich erst in der zweiten Runde entschieden. Nach Teilergebnissen von der Nacht auf Montag erreichte keiner der Kandidaten genügend Stimmen für einen Sieg im ersten Wahlgang. Der Kandidat der regierenden Christlich-Sozialen Einheitspartei (PUSC), Abel Pacheco, erhielt demnach 38,5 Prozent der Stimmen. Rolando Araya von der sozialdemokratischen Nationalen Befreiungspartei (PLN) kam auf 31 Prozent. Für einen Sieg in der ersten Runde am Sonntag müsste ein Kandidat mindestens 40 Prozent erreichen.

Wie das Oberste Wahlgericht mitteilte, lag der Kandidat der PUSC, Pacheco, nach Auszählung von 68 Prozent der Wahllokale mit 38,6 Prozent der Stimmen zwar klar in Führung. Der populäre Fernsehmoderator und Psychiater verfehlte aber die Schwelle von 40 Prozent, die das Gesetz für einen Sieg mit einfacher Mehrheit im ersten Wahlgang gesetzt hat. Den zweiten Platz belegte nach diesen Teilergebnissen Araya von der PLN .

Die Stichwahl erzwungen hatte Otton Solis, ein Wirtschaftsexperte, der im vergangenen Jahr aus der PLN ausgetreten war und die Bürgerliche Aktionspartei (PAC) gründete. Er kam auf einen Stimmenanteil von 26,3 Prozent. Es war das erste Mal seit 1948, das bei einer Präsidentenwahl in Costa Rica drei Kandidaten antraten. Solms erkannte am Abend sein Ausscheiden aus dem Rennen um die Stichwahl an.

Bei den gleichzeitigen Parlamentswahlen, bei denen es um die Besetzung der 57 Abgeordnetensitze ging, gewann die PUSC Pachecos nach ersten Prognosen 19 Sitze, die PLN 16, die PAC 14, die Libertäre Bewegung des mit 1,65 Prozent der Stimmen weit abgeschlagenen Präsidentschaftskandidaten Otto Guevara sieben und die Partei der Costaricanischen Erneuerung ein Mandat. Damit hätte keine Partei eine Mehrheit im Parlament.

Die Wahlen waren, wie in Costa Rica üblich, friedlich und ohne Zwischenfälle verlaufen. Die heute 3,8 Millionen Einwohner zählende mittelamerikanische Nation kann auf eine mehr als 50-jährige ununterbrochene demokratische Tradition zurückblicken. In diesem Zeitraum stellte die PLN Arayas am häufigsten den Präsidenten, zuletzt zwischen 1994 und 1998 mit Jose Maria Figueres. Mit dem abtrünnigen PLN-Politiker Solis gab es in diesem Jahr erstmals einen starken dritten Kandidaten. (APA/AP/dpa)

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