80 Prozent aller Bandscheiben-Operationen überflüssig?

2. Februar 2002, 19:10
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Experten werben für schmerzfreie und schonendere Alternativen

München - Rund 80 Prozent aller Bandscheiben-Operationen sind nach Einschätzung von Experten überflüssig. Zudem seien die Eingriffe riskant, häufig von Nebenwirkungen begleitet, und oft kehrten die Schmerzen nach der Operation wieder zurück, berichtet der Präsident der deutschen Wirbelsäulenliga, Reinhard Schneiderhan, in der Zeitschrift der Aktion Gesunder Rücken. Gleichwohl lassen sich nach seinen Angaben jedes Jahr rund 100.000 Menschen in Deutschland an der Bandscheibe operieren. Dabei gebe es längst schmerzfreie und schonendere, so genannte minimal-invasive Alternativen.

Dazu zählt der Experte vor allem die Wirbelsäulen-Katheter-Therapie. Bei akuten Schmerzen dauere die sanfte Heilung genau drei Tage. Unter örtlicher Betäubung schiebe der Arzt einen dünnen Kunststoffschlauch mit einer Edelstahlspitze vom Steißbein durch das Innere der Wirbelsäule neben dem Rückenmarkskanal exakt bis an die betroffene Nervenwurzel vor. Dort spritze er eine Enzymlösung sowie weitere Medikamente wie Schmerzmittel, Kortison und Kochsalz genau an die Stelle der Nerven, von der der Schmerz ausgehe.

Rückbildung

Folge der Behandlung: "Die Bandscheibe schrumpft, Narbengewebe löst sich von der Nervenwurzel, Entzündungen bilden sich zurück, Schmerzen verschwinden", berichtet Schneiderhan. Nach seinen Angaben liegt die Erfolgsquote bei mehr als 80 Prozent - und das bei so genannten austherapierten Patienten, die Jahre lang von Arzt zu Arzt gewandert seien und denen trotzdem nicht habe geholfen werden können.

Viel versprechend vor allem bei chronischen Rückenschmerzen etwa wegen Verschleiß oder Arthrose der Wirbelsäule ist nach Angaben des Experten zudem die Hitze-Sonde- oder Thermotherapie. Hier schiebe der Arzt ebenfalls bei örtlicher Betäubung über eine feine Kanüle direkt oberhalb der schmerzenden Stelle eine nur 0,4 Millimeter dünne High-Tech-Sonde mit einer Hitzeelektrode bis an das betroffene Wirbelsäulengelenk.

Schneller Erfolg

Computergesteuert werde die Spitze der Sonde auf 70 Grad erhitzt. Exakt eine Minute später sei der Patient seine teuflischen Rückenbeschwerden los, versichert Schneiderhan, der auch orthopädischer Leiter des Schmerztherapeutischen Kolloquiums München ist. Denn die Sonde habe in dieser kurzen Zeit die schmerzenden Nervenfasern durch den Hitzereiz völlig ausgeschaltet und die Schmerzweiterleitung damit einfach unterbrochen.

Die Laser-Therapie schließlich wirke gut gegen eine Vorwölbung von Bandscheiben. Eine dünne Laserfaser werde dabei durch eine Kanüle bis zur Bandscheibe vorgeschoben und sei dort für vier Effekte verantwortlich: Das Bandscheibengewebe schrumpfe, die Schmerznerven würden ausgeschaltet, kleine Bandscheibeneinrisse wieder verschlossen, und die Weiterleitung von Schmerzsignalen an das Gehirn werde unterbrochen. All das entlaste die betroffenen Nervenwurzeln, betont Schneiderhan. (APA)

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