"Traurige Posse im Wiener Prater"

2. Februar 2002, 15:54
2 Postings

Tschechische Zeitung "Pravo": "Haider kann jederzeit der Regierung ein Thema aufzwingen, das ihm passt"

Prag - "Haider kann sich die Hände reiben: er ist zwar nicht für die Regierung verantwortlich, aber er hat den Bundeskanzler - wie man sieht - mit der Drohung der Auflösung der Koalition in der Hand. Er kann der Regierung jederzeit ein Thema aufzwingen, das ihm gerade passt, und sich den Bundeskanzler so richten, wie er will", schreibt die tschechische linksliberale Tageszeitung "Pravo" (Samstag-Ausgabe) in einem Kommentar zum bevorstehenden zweiten Jahrestag der Bildung der ÖVP-FPÖ-Regierung in Wien.

"Schüssel hat Brüssel offiziell versichert, dass er nichts gegen die EU-Erweiterung einschließlich der Tschechischen Republik hat. Genauso offiziell lässt die Vizekanzlerin Riess-Passer Prag ausrichten, dass man mit den (Benes-)Dekreten nicht der EU beitreten kann. Wien versichert mit der Zunge des Bundeskanzlers, dass ihm an der Erneuerung guter Beziehungen zu Prag liegt, einige Stunden später kommt von dort die von ÖVP und Haider-Leuten durchgesetzte Forderung, sowohl die Abschaltung Temelins als auch die Aufhebung der Dekrete zu erzwingen."

"Es ist wie auf dem Jahrmarkt im Prater (...) Wie in einer Posse: Jörg in Klagenfurt erhebt den Finger - und in Wien macht man aus politischem Selbsterhaltungstrieb eilig alles, nur damit man ihm (Haider) entgegen kommt. Diese Posse ist aber viel zu traurig und der Eintrittspreis zu hoch. Seit dem Kalten Krieg waren die tschechisch-österreichischen Beziehungen nie so elend wie jetzt." (APA)

Share if you care.