Mega-Panzer-Deal des Bundesheers

2. Februar 2002, 13:10
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FP-Scheibner verkauft 170 US-Panzer nach Ägypten - Gynäkologe leistet hoch dotierte Geburtshilfe - Grüne fordern Aufklärung

Wien - Das Bundesheer vekauft 170 aus amerikanischer Produktion stammende M 60-Panzer um 31,25 Millionen Euro (430 Millionen Schilling) an die Armee von Ägypten. Wie "Format" berichtet, habe Verteidigungsminister Herbert Scheibner (F) den Antrag gestellt, die Panzer aus Heeresbeständen nach Ägypten zu exportieren. Den Deal als Vermittler in seiner alten Heimat habe der aus Ägypten gebürtige Wiener Gynäkologe Moustafa Eltelby eingefädelt.

Eltelby soll neben 145.000 Euro Aufwandsentschädigung (knapp zwei Millionen Schilling) vom Verteidigungsministerium auch eine Provision von den Ägyptern erhalten. Gegenüber "Format" sagte Eltelby, er führe aus, worum ihn Minister Scheibner bitte. Er tue dies zum Wohl der Republik.

Treuer Verbündeter

Eltelby sei hinter den Kulissen auch mit dafür verantwortlich, dass sich der Verteidigungsminister im Nahen Osten neuerdings als Diplomat zu profilieren versucht. So unternimt Scheibner seit längerer Zeit Anläufe, die Freilassung von drei israelischen Kriegsgefangenen zu erwirken, die im Oktober 2000 auf einer Patrouille von Anhängern der readikalen Hisbollah entführt wurden.

Die nun für den Verkauf nach Ägypten vorgesehenen M 60-Panzer sind beim österreichischen Bundesheer in den vergangenen Jahren durch 114 "Leopard 2"-Kampfpanzer, die von der niederländischen Armee angekauft wurden, ersetzt worden. Beschlossen worden war dieser Ankauf Ende 1996 im Zuge des sogenannten "Mech-Pakets", das neben der Anschaffung der gebrauchten "Leopord 2" und ebenfalls gebrauchter Raketenjagdpanzer "Jaguar" den Kauf neuer Kampfschützenpanzer "Ulan" und Radpanzer "Pandur" von Steyr-Daimler-Puch umfasst.

Die insgesamt 112 Ulan sollen beginnend mit dem heurigen jahr ausgeliefert worden. Beim "Pandur" ist von der ursprünglich vorgesehenen Zahl von 200 noch die Hälfte ausständig.(

Grüne verlangen Aufklärung

Der Vorsitzende des parlamentarischen Rechnungshofausschusses, Werner Kogler (G), hat Aufklärung über das Panzergeschäft mit Ägypten verlangt. "Bei diesem Panzergeschäft haben wir es mit einem Vermittler zu tun, der einerseits augenscheinlich von beiden Seiten Provision kassiert und andererseits sein Naheverhältnis zum Verteidigungsminister aufdringlichst in den Vordergrund rückt, was ebenfalls höchst dubios anmutet", so Kogler in einer Aussendung.

Verteidigungsminister Herbert Scheibner (F) müsse sein Verhältnis zu diesem Vermittler offen legen und Rede und Antwort stehen, ob für den Verkauf der M 60-Panzer - immerhin das größte Waffengeschäft der Republik - mehrere Bieter gesucht wurden. "Es ist nicht einsichtig, dass Bundesheer-Sturmgewehre zum Verkauf ausgeschrieben werden, und bei einem derartigen Großgeschäft windige Provisionisten das Sagen haben, anstatt dass alle Abnahmemöglichkeiten korrekt sondiert werden", betont Kogler, der gleichzeitig Schritte zur Aufklärung und Offenlegung über den größten Panzerdeals ankündigt.(APA)

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