Peking fordert "Terrorbekämpfung ohne Unterschiede"

2. Februar 2002, 11:19
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China sieht sich als Opfer ostturkestanischer Terroristen

München - Die Volksrepublik China fordert einen entschlossenen Kampf gegen "jeden Terrorismus weltweit" . Der stellvertretende Außenminister Wang Yi sagte am Samstag auf der Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik, auch die Volksrepublik sei Opfer ostturkestanischer Terroristen, die vom El-Kaida-Netz trainiert und finanziert würden. "Wir sollten die gleiche entschiedene Haltung gegen Terrorismus einnehmen, ganz gleich, wann, wo und in welcher Form er auftaucht und gegen wen er sich richtet", sagte Wang Yi.

Die neuen Herausforderungen erforderten eine engere internationale Zusammenarbeit; dabei seien politische und wirtschaftliche Mittel ebenso wichtig wie militärische. Vor allem die Entwicklung armer Regionen müsse gefördert werden. Erstes Ziel der Sicherheitspolitik der Volksrepublik sei die Souveränität, Einheit und territoriale Integrität Chinas, betonte der Vizeminister. Die chinesische Regierung hat ihre Terrorismus-Vorwürfe gegen die moslemische Unabhängigkeitsbewegung der Uiguren in der Nordwestregion Xinjiang (Sinkiang) bekräftigt.

"Ostturkestanische Terroristen" seien eng mit dem internationalen Terrorismus und der Terrororganisation von Osama bin Laden verwoben, erklärte die Regierung in Peking. Bin Laden habe sich mit zentral- und westasiatischen Terrorgruppen zusammengetan, um den ostturkestanischen Terroristen zu helfen, einen "Heiligen Krieg" in Xinjiang zu starten. Ziel sei ein theokratischer Staat.

US-Präsident George W. Bush hatte Peking davor gewarnt, den Kampf gegen den Terrorismus als Vorwand für die Verfolgung von Minderheiten zu missbrauchen. Nach den Terroranschlägen in den USA vom 11. September hatte China erklärt, es schließe sich der Anti-Terror-Koalition an und erwarte von den Amerikanern "Unterstützung und Verständnis" für den Kampf gegen die "Separatisten" in Xinjiang, in Tibet und Taiwan. Vor der Machtübernahme der Kommunisten in Peking 1949 hatte es während einer kurzen Phase eine faktisch unabhängige Republik Ostturkestan in Xinjiang gegeben. In der Region mit mehrheitlich nichtchinesischer moslemischer Bevölkerung haben fundamentalistische und irredentistische Strömungen für Instabilität gesorgt. Neben dem Turkvolk der Uiguren leben in Xinjiang auch Kirgisen, Kasachen und Tadschiken - deren Landsleute in der früheren Sowjetunion heute über eigene Staaten verfügen - unter chinesischer Herrschaft.(APA)

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