Klinik im Bermudadreieck

1. Februar 2002, 21:52
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In der Debatte um die Betriebsvereinbarungen für Uni-Kliniken führt Schilda Regie - Von Martina Salomon

Im Bermudagewässer zwischen drei Ministerien wäre die Angelegenheit fast untergegangen: Bei der notwendigen Verlängerung einer Betriebsvereinbarung für Ärzte an Unikliniken, die überlange Dienste erlaubt, führte Schilda Regie. Sie lief am Donnerstag aus, theoretisch hätte Chaos bei der Patientenversorgung folgen können. Doch so richtig zuständig fühlte sich niemand. Das Bildungsressort hatte vorverhandelt, weil es um Unis ging. Die Abgeltung ärztlicher Arbeit an Bundesspitälern liegt jedoch bei Beamtenministerin Susanne Riess-Passer. Die wünschte lediglich gutes Gelingen, weil neue Zulagen vom Finanzressort genehmigt werden müssen. Aber weder Minister Karl-Heinz Grasser (FP) noch sein "schwarzer" Staatssekretär Finz rührten ein Ohrwaschel. Erst am allerletzten Tag bat Grasser zum Gespräch, das letztlich in einen Kompromiss mündete.

An den Hohen Schulen steht man den Freiheitlichen vorwiegend feindselig gegenüber. Mag sein, dass die FPÖ deshalb dort nur ungern "anstreift". Doch Grasser und Riess-Passer hätten die Chance, jetzt das Gegenteil zu beweisen. Denn die Betriebsvereinbarung, die es Ärzten erlaubt, bis zu 60 Stunden pro Woche zu arbeiten, zeigt nur ein uraltes Problem auf: Das Grundgehalt im Spital - speziell an Unikliniken - ist im internationalen Vergleich zu niedrig. Verblüfften ausländischen Jobbewerbern wird allerdings augenzwinkernd mitgeteilt, dass es sich spielend mit Nebenjobs sowie Nacht- und Wochenenddiensten aufpeppen ließe. Überlange Arbeitszeiten bringen überdurchschnittlich viel Tagesfreizeit, die anderswo zu Geld gemacht wird. Daher sollten mittlerweile nicht nur überarbeitete Lkw-Fahrer, sondern auch übermüdete Mediziner ein Thema für die Politik sein. Aber im Zweifel wird dafür wieder einmal niemand ernsthaft zuständig sein. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 2.2.2002)

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