Mist soll brennen, auch am Flötzersteig

1. Februar 2002, 20:34
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Simmering fordert kleinere Anlage, wenn überhaupt

Wien - "Dass der Flötzersteig stillgelegt wird, kommt überhaupt nicht in Frage!" Der Simmeringer Bezirksvorsteher Otmar Brix (SP) steigt auf die Barrikaden. "Sollte eine Anlage in Simmering errichtet werden, dann darf die Kapazität nur für die Differenz von den Müllverbrennungen Spittelau und Flötzersteig zum Gesamtmüllaufkommen von Wien ausgelegt werden", erklärte er am Freitag im STANDARD-Gespräch. Auch ein "Mülltourismus aus anderen Bundesländern" sei für ihn absolut inakzeptabel.

Am Donnerstag hatte eine von der Umweltstadträtin Isabella Kossina (SP) eingesetzte Expertengruppe einen Standort neben den Entsorgungsbetrieben Simmering (EBS) als "geeignet" für den Bau einer Müllverbrennungsanlage erklärt (DER STANDARD berichtete). Bezirkschef Brix beharrt nun auf drei Forderungen: "Die bestehenden Anlagen müssen in Betrieb bleiben. Die Bürger müssen in die Diskussion einbezogen werden. Und: Keine Müllkarawane auf Simmerings Straßen." Es solle auch ein Transport auf der Schiene oder per Schiff im Donaukanal geprüft werden. Brix: "Davon werde ich keinen Millimeter abweichen."

Der Bau der dritten Müllverbrennung war allerdings bei der Strategischen Umweltprüfung Abfallwirtschaft im Vorjahr mit der Sperre des Flötzersteig-Müllofens verknüpft worden. Umweltstadträtin Kossina erklärte am Freitag dazu: "Die Frage Flötzersteig kann sich derzeit noch nicht stellen, solange ich keine dritte Müllverbrennungsanlage habe." Derzeit gebe es eine Standortuntersuchung, dann müsse in der Wirtschaftlichkeitsprüfung geklärt werden, wie groß die neue Anlage werden soll.

Die Grünen richteten am Freitag auch eine "Dringliche Anfrage" zum Thema Müllverbrennung an Kossina. Ob etwa mit einer derzeit diskutierten Erhöhung der Müllgebühren der Bau der Müllverbrennungsanlage finanziert werden solle, wollte der Grüne Gemeinderat Rüdiger Maresch wissen. Laut Sachverständigen-Gutachten solle die neue Müllverbrennung run 400 Millionen Euro (5,5 Mrd. S) kosten.

Dazu Kossina: "Eine mögliche Tarifanpassung kann nicht im Zusammenhang mit einer dritten Müllverbrennung stehen, die es noch gar nicht gibt." Die genannten Kosten "kann sich vielleicht die Industrie wünschen" - sie würden tatsächlich weit darunter liegen. (DER STANDARD, Print, 2.2.2002)

Roman Freihsl
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