"Terrorismus und Armut sind Zwillinge"

2. Februar 2002, 16:32
8 Postings

Das World Economic Forum will Armut und Rezession bekämpfen, das World Social Forum eine amerikaweite Freihandelszone

New York/Porto Alegre - Zum Auftakt des diesjährigen World Economic Forum (WEF) in Manhattan haben diverse Redner ausdrücklich auf den Zusammenhang zwischen Armut und Terrorismus hingewiesen. Die internationale Koalition gegen den Terrorismus müsse nun dazu genutzt werden, um auch die Armut in der Welt zu bekämpfen, erklärte etwa die philippinische Präsidentin Gloria Arroyo. "Terrorismus und Armut sind Zwillinge."

Das WEF mit 3000 Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, von Tausenden Polizisten rund um das Nobelhotel Waldorf Astoria bewacht, steht überdies im Schatten des weltweiten Konjunkturabschwungs. Der Präsident der US-Investmentbank Merrill Lynch, Jacob Frenkel, sprach von "sehr starken Anzeichen" für einen baldigen Konjunkturaufschwung. Die Rezession werde sich im Frühjahr noch verstärken, meinte hingegen Stephen Roach von der US-Großbank Morgan Stanley.

Schröder als "Autokanzler"

Unter der Politprominenz in New York stach der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder hervor. Schröder präsentierte sich einmal mehr als "Autokanzler". Während seines Aufenthaltes in der Hudson-Metropole fährt Schröder das neue VW-Luxusmodell Phaeton. Für die Luxuskarosse, die erst im Mai auf den Markt kommt, war es der erste offizielle Einsatz.

Österreich wird durch VP-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein vertreten. Der Minister will das Bekenntnis zur EU-Osterweiterung erneuern und zitierte Umfragewerte, die zeigten, dass die Österreicher der Erweiterung positiver gegenüber ständen "als so manche Zeitungsmacher und so manche Regierungspartei."

Massendemonstration in Porto Alegre

Parallel zu New York treffen sich wie berichtet Tausende Globalisierungskritiker aus aller Welt im hochsommerlichen, südbrasilianischen Porto Alegre zum Gegengipfel, dem so genannten World Social Forum (WSF).

Rund 50.000 Menschen demonstrierten zum Auftakt von Porto Alegre gegen eine neue Freihandelszone zwischen Alaska und Feuerland. Der brasilianische Präsidentschaftskandidat Luiz Inacio Lula da Silva erklärte, das geplante Handelsabkommen stelle eine Annektierung Lateinamerikas durch die USA dar. Der linke US-Intellektuelle Naom Chomsky sagte, die Freihandelszone "konzentriere die Macht auf einer Seite und die Bevölkerung auf der anderen."

Der Sozialgipfel steht im Selbstverständnis der Veranstalter, die aus dem Umfeld der in Frankreich gegründeten Attac-Bewegung ("Association for Tobin Tax and Citizens' Help") kommen, für einen radikalen Kurswechsel in der "konzerngetriebenen" Globalisierung. Die Kritiker sehen im unreglementierten Freihandel den Grund für die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. (red, DER STANDARD, Printausgabe 2.2.2002)

Share if you care.