Kein Showdown im Morgengrauen

1. Februar 2002, 22:48
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Murmeltiere können ungefährdet den Frühlingsbeginn voraussagen

Wiarton/Punxsutawney - Wären Murmeltiere so menschlich, wie sie zwecks Wettervorhersage in Dienst gestellt werden, müsste der kanadische "Wiarton-Willie" ordent-lich grantig sein. Sein US-Kollege "Punxsutawney-Phil", durch die Filmkomödie "Und täglich grüßt das Murmeltier" ohnehin schon bekannter als er, hat ihm wieder die Show gestohlen, und das wirklich nicht "politically correct".

Schon zwei Wochen vor dem großen Auftritt ließ der zuständige Polizeisprecher wissen, der Murmeltiertag werde heuer wegen befürchteter Terrorangriffe unter strengen Sicherheitsvorkehrungen begangen. In Punxsutawney (nordwestlich von Pittsburgh) würden Nationalgarde und Spürhunde eingesetzt.

Bald klang das wie Showdown im Morgengrauen, als müsste Phil bewaffnet aus seinem Bau kommen, um nachzuschauen, ob er seinen Schatten sieht. Ist das nämlich der Fall, dann - so will es die Tradition - wird der Winter noch eineinhalb Monate dauern; wenn nicht, kommt bald der Frühling.

Nun aber melden die Murmelmanager über Internet (siehe Webtipp): "Phil ist kein Ziel terroristischer Angriffe." Er werde, von Gefahren unbehelligt, heute, Samstag, um 7.30 Uhr Ortszeit aus seinem Bau kommen. Mag er mit seiner Wettervorhersage (die selten stimmt) zufällig treffen, mit einer weiteren in Aussicht gestellten Prognose wird er Probleme haben: Er soll auch den Ausgang des Super Bowls, des mit Höchstspannung erwarteten nationalen Football-Liga-Endspiels am Sonntag, vorhersagen.

"Das wird ihn einige Freunde kosten", würde sich Wiarton-Willie (der auch um 7.30 Uhr auftritt, aber wegen der westlicheren Lage rund acht Minuten später Sonnenaufgang hat) denken - wäre der Kanadier nicht, wie auch Phil, nur ein Murmeltier. (kps/DER STANDARD, Print, 2.2.2002)

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