Secondhand-Flieger mit Hightech-Zukunftsoption

1. Februar 2002, 23:27
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Der US-Flugzeugproduzent Lookheed-Martin bietet Österreich Gebrauchtflieger für die Draken-Nachfolge an

Geht es nach den Wünschen des Verteidigungsministeriums (und nach einer vom Verteidigungsministerium im Vorjahr durchgeführten Bevölkerungsumfrage), dann würden die 23 noch diensttauglichen Draken-Abfangjäger durch fabriksneue Flieger ersetzt. So sieht es die Ausschreibung vor, so wurde es von den drei Anbietern EADS (Eurofighter), Lockheed-Martin (F-16) und Saab-BAE (Gripen) auch angeboten. Diese Woche erläuterte Lockheed-Martin allerdings, dass es ein Alternativangebot abgegeben hat: Als "best solution for Austria" wird nunmehr ein so genanntes Midlife Update (MLU) von in den frühen Achtzigerjahren gebauten Modellen der F-16 angeboten. Abgesehen von etwas geringerer Nutzlast (was in der Praxis bedeutet, dass weniger Lenkwaffen oder Bomben mitgeführt werden können), sind diese MLU-Versionen völlig mit der neu gebauten Version F-16 Block 50/52 identisch.

Für Österreich besonders bedeutsam: Die generalüberholten Flugzeuge kosten den vagen Werksangaben zufolge "deutlich weniger als die Hälfte" von Neuflugzeugen, obwohl sie eine Restnutzungsdauer von mindestens 4000 Flugstunden haben. Das reicht unter den heimischen Bedingungen für gut 22 Jahre. Alan Bonderud von Lockheed-Martin: "Glauben Sie mir, ich würde liebend gerne neue Flugzeuge verkaufen." Aber die österreichische Budgetdisziplin würde das derzeit vielleicht nicht zulassen. Und da wollen die Amis lieber mit einer Gebrauchtflugzeug-Lösung ins Geschäft kommen und sich in 20 Jahren für einen Folgeauftrag anbieten.

In diesem Zusammenhang versucht Lockheed-Martin die herausgeputzten F-16 MLU als Königsweg anzupreisen: nicht nur, weil sie mittelfristig den Weg zum Umstieg auf den technisch höchstentwickelten JSF ebnen würden, sondern auch, weil sie eine (im Bundesheer gerne gesehene) "europäische Lösung" darstellen. Die F-16 MLU wird von fünf anderen europäischen Luftwaffen geflogen; die Arbeit daran erfolgt in Europa durch europäische Firmen unter Oberaufsicht der US-Regierung.

Die Gegengeschäfte müssen in jedem Fall 100 Prozent des Auftragswertes ausmachen. "Österreich hätte am liebsten 200 Prozent, was allerdings von Lockheed-Martin-Sprecher Dough Miller höflich als "beispiellos" bezeichnet wird. Hoffnungen, dass das Abfangjäger-Geschäft einen Beitrag von bis zu drei Prozent Wirtschaftswachstum auslösen könnte, verweist er in den Bereich der "voodoo-economics".

(DER STANDARD, Printausgabe, 2.2.2002)
Der US-Flugzeugproduzent Lookheed-Martin bietet Österreich Gebrauchtflieger für die Draken-Nachfolge an. Sie kosten weniger als die Hälfte des Preises für neue F-16 und werden bereits in fünf anderen europäischen Ländern geflogen.

STANDARD-Redakteur Conrad Seidl aus Fort Worth
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