Huntington: "Thesen für mehr Verständnis"

1. Februar 2002, 23:13
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US-Professor verteidigt seine Positionen

New York - Wie so oft sorgt der US-Professor Samuel Huntington (The Clash of Civilizations) für Aufregung. Die Führung des Weltwirtschaftsforums hatte ihn eingeladen, seine umstrittenen Thesen zu vertreten, obwohl sie gleichzeitig 50 religiöse Führer, unter anderem aus dem Islam, nach New York gebeten hatte. "Dieser Mann trägt erhebliche Schuld", kritisierte etwa Scheich Zaki Badawi, ein islamischer Schriftgelehrter aus London. Huntington habe mit seinen Publikationen das Klima verschärft.

Am Donnerstag verteidigte Huntington seine Positionen, wie er das auch vor einigen Jahren vor fast 1000 Zuhörern bei einer STANDARD-Debatte im Wiener Haus der Industrie getan hatte. Er sei Wissenschafter, nicht Politiker, müsse aber eines feststellen: Die Gefahr eines Atomkriegs zwischen USA und UdSSR sei in der Phase des Kalten Kriegs riesengroß gewesen. Verhindert worden sei der Atomkrieg aber auch deshalb, weil offen und weltweit darüber diskutiert wurde. "Ich hoffe, dass die Menschen heute meine Thesen in ähnlicher Weise für eine Verständigung benützen."

Durch die Debatten zog sich eine mehrfache Argumentation, wie man den Terrorgefahren begegnen könne:

  • Stärkung der armen Länder durch Bildungsinvestitionen, und Aufbau einer Banken-und Geschäftsstruktur.
  • Aufgabe des Anspruchs, demokratische Strukturen nur nach dem Vorbild der Industriestaaten aufzubauen.
  • Trotz der Solidarität zur USA und der Stärke der US-Medien dürfe weltweit keine Dominanz amerikanischer Sichtweisen Platz greifen. Dies könne zu einem neuen Minderwertigkeitskomplex unter den Eliten der Dritten und Vierten Welt führen. (sp)

(DER STANDARD, Printausgabe, 2.2.2002)
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