Nach "Dolly" ist die Maus dran

1. Februar 2002, 18:29
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Ziel ist die Entwicklung einer Diabetes-Therapie auf der Basis von Stammzellen

Wien - PPL Therapeutics, jenes britische Unternehmen, welches das erste "Klon-Schaf" geschaffen hat, arbeitet an einer Diabetes-Therapie auf der Basis von Stammzellen. "Wir versuchen, embryonale Stammzellen von Mäusen unter Kulturbedingungen dazu zu bringen, sich zu (Insulin-produzierenden, Anm.) Beta-Zellen zu entwickeln", erklärte Freitag Nachmittag in Wien beim 2. Internationalen Symposium der Gesellschaft für Nabelschnurblut-Sammlung, Forschung und Stammzelltherapien einer der "Väter" von "Dolly", Alan Colman. Abseits aller sonstigen Fragen sollten alle Formen von Stammzellen parallel erforscht werden.

Colman berichtete jedenfalls von Ansätzen im Maus-Modell, die viel versprechend sein könnten: "Zunächst brachten wir nur zehn Prozent der embryonalen Stammzellen, die wir zu entwickeln versuchen, dazu, Insulin zu produzieren. Jetzt sind es schon 90 Prozent. Die Produktionsrate an Insulin ist zwar noch geringer als jene von Beta-Zellen, doch sie ist schon relativ hoch."

Insgesamt - so der Experte - dürfte für die nächste Zukunft das "therapeutische Klonen" von menschlichen embryonalen Stammzellen noch kaum echte Erfolge bringen: "Das Klonen solcher Zellen ist derzeit noch sehr ineffizient. Wenn man 100 unbefruchtete Eizellen von ihrem genetischen Inhalt befreit und das Erbgut einer adulten Zelle in sie einbringt, bekommt man derzeit durchschnittlich 3,4 Zell-Linien mit dem der gewünschen Qualität." Das lasse eine breite therapeutische Anwendung derzeit noch ausgesprochen unwahrscheinlich bleiben.

Erfolg oder Misserfolg ...

Doch für den Fachmann und Klon-Pionier aus Edinburgh dürften ganz andere Techniken und Entwicklungen für Erfolg oder Misserfolg entscheidend sein: Erstens die Verfahren, mit denen man Stammzellen - ob von Embryos, aus Nabelschnurblut oder Blut bzw. Knochenmark von Erwachsenen - in ihrer Entwicklung zu spezialisierteren Zellen beeinflussen kann.

Zweitens könnten ganz spezifische Qualitäten solcher Stammzellen von entscheidender Bedeutung für therapeutische Anwendung werden. Colman: "Stammzellen entfalten offenbar einen therapeutischen Effekt durch die Reparatur von Gewebe, indem sie an den Ort von Schäden wandern und dort (körpereigene) Erholungsmechanismen in Gang setzen." Möglicherweise komme es weniger auf "Reparaturmaterial" als auf den dadurch ausgelösten Stimulus an.

Wichtig wäre aber auf jeden Fall eine breite Forschung. Der Wissenschafter: "Man sollte alle Arten von Stammzellen - ob embryonale, solche aus dem Nabelschnurblut oder adulte - parallel erforschen." Notwendigkeit einer interdisziplinären Forschung

Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber, Leiter der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Sterilitätsbehandlung sowie Vorsitzender der österreichischen Bioethik-Kommission, betonte bei dem Symposium die Notwendigkeit einer interdisziplinären Forschung in Sachen Stammzellen: "Wenn aus einer Blut- eine Leberzelle wird, ist das das beste Beispiel für Interdiszipinärität. Hier tun sich faszinierende Möglichkeiten auf."

Genau so habe auch die Forschung aus allen Bereichen der Medizin zu arbeiten. Wichtig sei zunächst, die Charakteristika der einzelnen Stammzell-Arten zu bestimmen, um sich ein ausreichendes Bild machen zu können.

Wiens Gesundheitsstadträtin und Hämatologin Elisabeth Pittermann forderte eine Änderung des Fortpflanzungsmedizin-Gesetzes, um auch das Arbeiten mit embryonalen Stammzellen zu ermöglichen: "Es muss endlich eine Gesetzesänderung stattfinden. Für mich ist ethisch nicht nachvollziehbar, wie man von Menschen, die gelebt haben, Organe entnimmt, aber Zellen von einem Embryo, der noch nie ein eigenständiges Leben gelebt hat, nicht verwenden darf." (APA)

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