Weniger neue Arbeitsplätze in der deutschen Telekommunikation

1. Februar 2002, 15:41
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Regulierer nennt Lage besser als Stimmung - Mobilfunk überflügelt Festnetz

Der Arbeitsplatzzuwachs in der deutschen Telekommunikationsbranche hat sich nach Angaben der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post im vergangenen Jahr stark abgeschwächt. Dennoch habe dieser Markt den Konjunktureinbruch weit besser überstanden als die meisten anderen Branchen, sagte Behördenpräsident Matthias Kurth am Freitag in Bonn bei der Vorlage seines Jahresberichts. Die Lage sei besser als die herrschende Stimmung.

Leichter Anstieg

Die Zahl der Beschäftigten im Telekommunikationsbereich stieg im vergangenen Jahr nach den Angaben des Regulierers um 0,46 Prozent auf 241.800. Im Jahr zuvor hatte der Zuwachs noch 8,7 Prozent betragen. Gleichzeitig wuchs der Markt um 15 Prozent auf 63,4 Milliarden Euro (872 Milliarden Schilling). Probleme gebe es inzwischen durch Überkapazitäten, geänderte Erwartungen der Investoren und Fehleinschätzungen hinsichtlich der Nachfrageentwicklung. Diese Probleme seien allerdings global verursacht. Kurth betonte, er sehe trotz der Aufgabe einzelner Firmen Innovation und Angebotsvielfalt auf dem deutschen Telefonmarkt nicht gefährdet.

Mobilfunksektor voran

Der Umsatz aus dem Mobilfunksektor in Deutschland hat mit einem Anteil von 37 Prozent im Jahr 2001 erstmals die Erträge aus dem Festnetz (33 Prozent Anteil) überflügelt. Dazu trug allerdings bei, dass inzwischen ein erheblicher Teil des Internetverkehrs auf die nicht zu den Festnetzanschlüssen gezählten rund 2,1 Millionen DSL-Anschlüsse entfällt.

Potenzial, ausgeschöpft

Das Potenzial bei DSL ist laut Regulator aber mit zwei Millionen Kunden bei weitem nicht ausgeschöpft. Er erwarte in den nächsten Jahren 20 Millionen DSL-Kunden bundesweit. "Machen wir mal eine Strich unter die Diskussion", sagte der Regulierer.

Beim deutschen Telefon-Festnetz nimmt die Konkurrenz laut Regulator allmählich weiter zu. Die Telekom-Konkurrenten hätten ihren Marktanteil im vergangenen Jahr auf 1,58 Millionen Kanäle oder drei Prozent fast verdoppeln können. Allerdings betreibt die Telekom 50,7 Millionen Telefonkanäle.

Sättigung

Im Mobilfunk sieht Kurth mit einer Marktdurchdringung von 68,9 Prozent bei einem Zuwachs von acht Millionen Kunden im vergangenen Jahr nun einen Sättigungsbereich erreicht. Mit 56,3 Millionen Teilnehmern belege Deutschland in Westeuropa den ersten Platz vor Italien, Großbritannien und Frankreich. Einen neuen Schub erwarte er von den kommenden mobilen Datendiensten über GPRS und UMTS in den nächsten Jahren. (APA)

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