Weltbank warnt vor mangelnder Sicherheit der EU-Pensionssysteme

1. Februar 2002, 15:34
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Privatsektor bei Pensionssicherung stärker einzubeziehen

Washington - Die Pensionssysteme in den meisten EU-Staaten sind nach Angaben der Weltbank nicht auf die Belastungen der kommenden Jahre vorbereitet. In Europa gebe es nur "sehr wenige Initiativen" zur Sicherung der Altersversorgung, sagte Weltbank-Pensionsexperte Robert Holzmann am Freitag der Nachrichtenagentur AFP in Washington.

Außer Schweden, Großbritannien und in geringerem Maße auch Deutschland habe kein Staat der Europäischen Union die notwendigen Reformen in die Wege geleitet. Spanien und Frankreich seien dabei "besonders rückständig". Unter der Schirmherrschaft der Weltbank findet von 11. bis 13. Februar in München eine internationale Konferenz zur Sicherung der Pensionssysteme statt.

Einfluß auf Staatsverschuldungen

Holzmann betonte, die Belastungen der Rentenkassen hätten auch einen enormen Einfluss auf die Verschuldung der EU-Staaten. Wenn die im Vertrag von Maastricht festgelegte Obergrenze von 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) erreicht würde, sei dies "nichts im Vergleich" zu den künftigen Belastungen durch die Pensionen.

Nach jüngsten Berechnungen der Ratingagentur Standard and Poor's (S&P) könnte die Verschuldung in den EU-Staaten bis 2050 auf 250 Prozent des BIP klettern, sollten die Reformen der Rentensysteme ausbleiben. Die Rentenbelastung trage auch mit zur anhaltenden Schwäche des Euro gegenüber dem US-Dollar bei, sagte Holzmann.

"Schwedisches Modell

Solide und dauerhafte Rentensysteme ohne starke Beitragserhöhungen seien künftig nur über eine gemeinsame Finanzierung durch öffentlichen und privaten Sektor möglich. Holzmann verwies in diesem Zusammenhang auf das "schwedische Modell": In dem skandinavischen Staat zahlen Arbeitnehmer 18,5 Prozent ihres Bruttomonatslohns in die Rentenkasse ein.

Zusätzliche 2,5 Prozent müssen zudem in einen oder mehrere Rentenfonds eingezahlt werden. Die EU-Staaten könnten sich zudem ein Beispiel an Polen, Litauen und Ungarn nehmen, die ihre Rentensysteme in den vergangenen Jahren tief greifend reformiert hätten. (APA/AFP)

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