Klaus Schwab (63), Gründer und Präsident des World Economic Forum

1. Februar 2002, 14:28
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Skeptiker und Profiteur der Globalisierung

Nur der Papst sei trotz mehrfacher Einladung noch nicht sein Gast gewesen, bedauert Klaus Schwab (63), Gründer und Präsident des World Economic Forum (WEF). Ob die Abneigung Johannes Pauls II., mit den Konzernlenkern und Staatschefs der Welt zu diskutieren, mit seiner globalisierungskritischen Einstellung zu tun hat oder, wie Schwab meint, mit dessen Gesundheitszustand, hat das Oberhaupt der katholischen Kirche nie verraten.

Schwab wird es verkraften. Der im deutschen Ravensburg geborene Schweizer Wirtschaftsprofessor, Buchautor sowie Träger Dutzender Auszeichungen und Ehrendoktortitel gilt als erfolgreichster Konferenzorganisator der Welt. Mit einem Privatvermögen von geschätzten 200 Millionen Franken reiht er sich unter die reichsten Schweizer. Aus dem 1971 als "European Management Symposium" gegründeten Forum hat Schwab ein Konferenzimperium geschmiedet, das seinesgleichen sucht. Mitsamt den Regionalablegern wie Salzburg kommt das WEF auf mindestens zehn Großkonferenzen im Jahr.

Für läppische 17.000 Euro Jahresbeitrag und Teilnahmegebühr stritten sich heuer 3000 Spitzenmanager, Politiker, Wissenschafter und Religionsführer um einen der begehrten Konferenzplätze. Schwab werden beste Kontakte zu den bedeutendsten Regierungschefs und Spitzenmanagern der Welt nachgesagt. Bill Gates soll gestrahlt haben, als ihn 1997 eine persönliche Einladung erreichte.

Globalisierungskritikern ist das WEF ebenso verhasst wie die Weltbank und der Internationale Währungsfonds. Dabei bezeichnet sich Schwab, von "Statur und Gehabe wie ein pietistischer Pastor" (FAZ), gerne als "erster Antiglobalisierer". In Interviews antwortet er auf Fragen nach den größten Enttäuschungen des 20. Jahrhunderts oder den Folgen der Globalisierung regelmäßig mit Verweisen auf die "Armut in der Welt" und fordert "globale Regeln, die uns im globalen Handeln Regeln setzen".

Sogar eine Art "Sozial-Nobelpreis" hat er letztes Jahr, damals noch im schweizerischen Nobelort Davos, mit einer Dotation von vier bis fünf Millionen Dollar versprochen. Vergeben wird die Schwab-Stiftung heuer, aus "Solidaritätsgründen in New York", nur eine Million Dollar. Zu groß waren die Verluste aus Fehlinvestments in New-Economy-Unternehmen.

Schwab, verheiratet und Vater zwei erwachsener Kinder, ist zäh. Nach langem Hin und Her hat er der Schweizer Regierung vier Millionen Franken abgerungen, damit der "Gipfel der Gipfel" 2003 wieder in Davos stattfindet. An der Spitze des WEF will Schwab übrigens so lange stehen, wie er im "Winter den Engadiner Skimarathon mitlaufen und im Sommer mindestens einen Viertausender besteigen" kann. (Michael Bachner, DER STANDARD, Printausgabe 1.2.2002)

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