"US-Rezession kann noch Jahre dauern"

1. Februar 2002, 15:00
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Ökonomen bei Weltwirtschaftsforum trotz erster Anzeichen einer Erholung mit wenig Konjunkturoptimismus

New York - Trotz erster Anzeichen einer Konjunkturerholung in den USA besteht nach Ansicht führender Wirtschaftsexperten kaum Aussicht auf einen kräftigen Frühlingsschub der Weltkonjunktur. Stephen Roach, Chefökonom von Morgan Stanley, sieht in den USA die Gefahr einen zweiten Einbruchs, einer so genannten Double-dip-Rezession. Alle Anzeichen sprächen für einen zunächst nur vorübergehenden Auftrieb, sagte Roach am Donnerstagabend (Ortszeit) beim Weltwirtschaftsforum in New York. So seien bereits fünf der vergangenen sechs Rezessionen verlaufen. Der jüngste Einbruch begann im März vergangenen Jahres.

Politisch stand der erste Tag des Forums, das in den vergangenen 31 Jahren in Davos tagte, im Zeichen Afghanistans. Deutschland habe eine besondere Rolle beim Wiederaufbau des Landes zu spielen, sagte Außenminister Abdullah Abdullah am Freitag.

Reformen zu langsam

Von Europa ist nach Einschätzung von Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), ebenfalls keine großer Schub zu erwarten. Europa wachse langsam, sei aber bisher nicht in der Lage, die Rolle als Lokomotive der Weltwirtschaft mit den USA zu teilen. Europa werde durch den Vereinigungsprozess immer stärker, bleibe aber zunächst durch die Vereinbarung zur Einhaltung strikter Haushaltsdisziplin gehemmt. "In Europa gehen die Reformen nur langsam voran", meinte Merill Lynch-Präsident Jacob Frenkel, ehemaliger Gouverneur der israelischen Notenbank.

Auch für rezessionsgeplagte Japan sei kein Silberstreif am Himmel, sagte Wirtschaftsprofessor Motoshige Itoh von der Universität Tokio. Die japanische Wirtschaft werde wegen der enormen faulen Kredite im Bankensektor vermutlich zunächst weiter schrumpfen, bevor es bergauf gehe. "Unsere Rezession wird noch schlimmer und wird erst in den kommenden Monaten den kritischen Punkt erreichen", sagte Itoh.

Auch optimistische Stimmen

Für die USA optimistischer äußerte sich die Chefvolkswirtin des Conference Board, eines Forschungsinstituts der US-Privatwirtschaft, Gail Fosler. Der unerwartete Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal 2001 um 0,2 Prozent und die weiter wachsende Produktivität deuteten auf einen deutlichen Aufschwung spätestens in der zweiten Jahreshälfte hin. "Der Aufschwung hat bereits begonnen", sagte Fosler. Sie rechnet im nächsten Jahr mit einem Wachstum in den USA von rund vier Prozent. (APA/Reuters)

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