Homepage mit rassistischem Inhalt: Logo an "derStandard.at" angelehnt

2. Februar 2002, 00:09
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Link im Gästebuch der FPÖ Tulln - FP-Landtagsabgeordneter Buchinger distanziert sich

Als Satire verbrämt werde auf einer Homepage - Titel: "derUnrat" - rassistisches, ausländerfeindliches, antisemitisches Gedankengut verbreitet - darauf weist das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) hin. Die Aufmachung des Logos, der Schrift und der Farbe erinnert frappant an die Internetpräsenz des STANDARD. derStandard.at prüft rechtliche Schritte, dem Innenministerium wurde die Homepage von der SPÖ-NÖ zur Kenntnis gebracht.

Codes

Gewisse Codes und Schreibweisen (Beispiel: Froinde statt Freunde), die auf der Homepage vorkommen, würden eventuell auf Macher aus der neonazistischen Skinhead-Szene hinweisen, so die Einschätzung des Dokumentationsarchivs.

Wiederholt werden etwa die Zahlen 88, 18 und 14 verwendet. Laut einer Publikation der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen ist 88 in der neonazistischen Szene der Code für HH, also Heil Hitler, da 8 für den achten Buchstaben des Alphabets steht. 18 ist nach dem selben Schema der Code für Adolf Hitler. Hinter der 14 verbirgt sich laut der Thüringer Institution eine rassistische Parole in 14 Wörtern, die in der deutschen Übersetzung lautet: "Wir müssen den Fortbestand der arischen Rasse garantieren und die Zukunft weißer Kinder sicherstellen."

Antisemitische Wortspiele

Aufmerksam wurde das Dokumentationsarchiv auf die Homepage, da sich im Gästebuch der Homepage der FPÖ Tulln seit 12. Jänner 2002 ein Eintrag eines gewissen "Ariel Wuchergroschen" (sic!) mit einem Verweis auf "derUnrat" befindet. Im Impressum der "Unrat"-Homepage findet sich dieser Name als Chefredakteur - auch weitere dort aufgelistete Namen sind laut DÖW eindeutig antisemitisch. "Für den Inhalt der Gästebucheinträge übernimmt die Redaktion keine Verantwortung", weist die FPÖ Tulln beim Gästebuch hin.

FPÖ distanziert sich

"Wenn das stimmt, ist das eine Frechheit", sagte FP-NÖ-Landtagsabgeordneter Ludwig Buchinger zur APA. "Man muss dem sofort nachgehen, woher das kommt." Er habe allerdings von "derUnrat"-Homepage keine Kenntnisse, "ich distanziere mich von solchen Sachen eindeutig". Sein Webmaster sei für diese Sachen in keiner Weise empfänglich, allenfalls könne man diesem zum Vorwurf machen, dass er nicht regelmäßig ins Gästebuch schaue, sagte Buchinger. Man werde alles tun, um zu einer Aufklärung über die Hinterleute dieser Homepage beizutragen.

Log-Dateien zur Verfügung gestellt

Der Landtagsabgeordnete sagte, er habe sich bereits mit dem Innenministerium in Verbindung gesetzt und werde den Ermittlern auch die Log-Daten zur Verfügung stellen. Die "eigentlich Geschädigte" sei im übrigen die FPÖ-Tulln. "Ich habe mit solchen Sachen wirklich nichts am Hut", erklärte Buchinger.

SPÖ erstattet Anzeige

Die SPÖ Niederösterreich erstattete zuvor in dieser Causa Anzeige zur weiteren Bearbeitung im Innenministerium. Das sagte der SP-Landtagsabgeordnete Helmut Cerwenka am Freitag zur APA. "Der Inhalt ist im günstigsten Fall äußerst geschmacklos, aus meiner persönlicher Sicht aber mit einem rassistischen und neonazistischen Hintergrund." Dafür würden auch mehrere verwendete Schlüsselwörter sprechen.

Schlechte Optik

Cerwenka verwies darauf, dass sich der Eintrag im Gästebuch seit 12. Jänner auf der Homepage befindet, "ob bewusst oder unbewusst, sei dahingestellt". Es mache jedenfalls keine sehr gute Optik. "Ich würde sagen, dass die Nähe zu dieser Partei keine zufällige ist", sagte Cerwenka.

Der SPÖ-Politiker verwies in diesem Zusammenhang auf den Ausspruch des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider von der "ordentlichen Beschäftigungspolitik" im NS-Reich sowie den Ausspruch des NÖ-FP-Obmannes Ernest Windholz. Dieser hatte bei einer Ehrenzeichen-Verleihung im Jahr 2000 "Unsere Ehre heißt Treue" gesagt, ein Fahnenspruch der SS. (APA)

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