Spanien will BSE vergessen

2. Februar 2002, 14:46
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Verkauf von Stierkampf-Fleisch wird wieder zugelassen

Madrid - Spaniens Stierkampfzüchter blicken besseren Zeiten entgegen: Nach einem Jahr will die spanische Regierung das wegen der Rinderseuche BSE verhängte Verbot aufheben, das Fleisch der in der Arena getöteten "Toros" zu verkaufen.

Fleisch gilt als Delikatesse

Wie die Zeitung "El Mundo" am Freitag berichtete, soll das Fleisch, das vielen als Delikatesse gilt, künftig zudem auch als Wild in Geschäften angeboten werden. Bisher war ein Verkauf nur direkt an den Stierkampfarenen möglich. Ein Kilo Lende kostet rund elf Euro (151 S). Das Verkaufsverbot hatte in der vergangenen Saison beinahe einen Stierkampf-Streik heraufbeschworen.

Risikoorgane könnten im Kampf getroffen werden

Die Aufhebung basiert auf neuen wissenschaftlichen Untersuchungen, wonach die Kampfstiere entgegen der Befürchtungen wegen der Rituale in der Arena nicht stärker BSE-gefährdet sind als andere Rinder. Anfangs hatte es geheißen, der Einsatz von Degen und Dolch beim Töten des Stieres könne Risikoorgane treffen und somit im Falle einer Infektion das ganze Fleisch des Bullen verseuchen. Die Tests hätten dies aber widerlegt.

Fleisch muss bis nach einer Stunde sofort zum Schlachter

Zudem habe es bisher keinen einzigen BSE-"Toro" gegeben. Voraussetzung wird aber sein, dass der Stier innerhalb einer Stunde ins Schlachthaus gebracht, die Risikomaterialien entfernt und anschließend BSE-Tests durchgeführt werden.

Nach Verbot wurden Stiere verbrannt

Wegen des Verbots mussten die Stiere bisher nach der "Corrida" in Spezialöfen verbrannt werden. Rund 8.000 Tonnen Fleisch sind somit im vergangenen Jahr vernichtet worden. Die Regierung zahlte den Züchtern dafür einen Ausgleich von mehr als 15 Millionen Euro (206 Mill. S). "Nun können wir das Fleisch sogar exportieren. In Ländern wie Frankreich bekommt man für das Kilo doppelt so viel wie für das Kilo herkömmliches Rindfleisch", freut sich der Präsident des Züchterverbandes, Jaime Sebastian de Erice. (APA)

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