Fusion zwischen KirchMedia und ProSiebenSat.1 gefährdet

1. Februar 2002, 11:33
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Springer sieht sich mit Kirch nicht auf Konfrontationskurs

Der Streit zwischen der KirchGruppe und dem Axel Springer Verlag könnte laut einem Zeitungsbericht die geplante Fusion des TV-Unternehmens ProSiebenSAT.1 mit der KirchMedia zu einem der größten börsenotierten Medienkonzerne Europas gefährden. Vertraute der KirchGruppe hielten es für möglich, dass Springer versuchen werde, den Zusammenschluss zu blockieren, berichtete die "Financial Times Deutschland" (Freitagausgabe). Solange Springer mit 11,5 Prozent an ProSiebenSAT.1 beteiligt bleibe, könne der Konzern den Fusionsplan per Anfechtungsklage verzögern. Ein Sprecher der KirchGruppe wollte den Bericht nicht kommentieren.

Springer sieht sich aber im Streit zwischen dem Medienkonzern Kirch und dem Axel Springer Verlag eigenen Angaben zufolge nicht auf Konfrontationskurs mit dem Gesellschafter Kirch. "Ein Herausdrängen der Kirch-Gruppe aus dem Springer-Gesellschafterkreis steht überhaupt gar nicht zur Debatte", sagte eine Springer-Sprecherin. "Wir haben an einem Konfrontationskurs keinerlei Interesse", fügte sie hinzu. Zu der von Springer ausgeübten Verkaufsoption von Anteilen der gemeinsamen ProSiebenSat.1 Media AG an Kirch sagte sie: "Wir gehen davon aus, dass die Kirch-Gruppe der Zahlungsverpflichtung in vereinbarter Höhe nachkommen wird."

Springer hatte am Mittwoch darauf bestanden, eine mit Kirch vereinbarte Verkaufsoption auszuüben und das Paket an dem Fernsehkonzern für dem Vernehmen nach etwa 770 Mill. Euro (10,60 Mrd. S) an die KirchGruppe zu veräußern. Kirch erklärte die Option überraschend umgehend für juristisch unwirksam und kündigte rechtliche Schritte an.

Die Forderung des bisherigen Partners Springer bringt das Imperium von Leo Kirch finanziell weiter unter Druck. Wegen Schulden in Höhe von etwa fünf bis sechs Mrd. Euro, Ertragsrückgängen im Kerngeschäft und weiterer drohender Milliardenforderungen wurde zuletzt über eine mögliche finanzielle Schieflage spekuliert.

Die Fusion der ProSiebenSAT.1 Media AG (München) mit der Muttergesellschaft KirchMedia soll Mitte des Jahres über die Bühne gehen. In Branchenkreisen wurde bereits über eine mögliche Verschiebung der Pläne spekuliert. Zum einen ist die Lage an den Kapitalmärkten noch immer angespannt, zum anderen gilt die Bewertung der beiden Unternehmen als ausgesprochen schwierig. (APA/dpa/Reuters)

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