The Chemical Brothers: "Come with us"

    7. November 2005, 16:31
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    Auch auf diesem Album sind die chemischen Brüder dem Prinzip "kalt/warm" treu geblieben

    Zurückhaltung jedweder Art ist den Chemical Brothers fremd. Schon als DJs im mittlerweile legendären „Heavenly Sunday Social Club“, der Mitte der 90er Jahre allwöchentlich im Keller eines Pubs im Londoner Stadtteil Marylebone stattfand, brachten Ed Simmons und Tom Rowland Acid House, HipHop, Rock und Techno hemmungslos auf Kollisionskurs. Dabei ging es den beiden weniger um den kunstvollen, feinziselierten Mix, vielmehr war man um den abrupten Stimmungswechsel bemüht. Im Wechselbad der Stilrichtungen waren die Beatles ebenso willkommen wie die nervösen Acid-Beats eines Baby Ford, der dumpfe Metal von Motörhead oder die schummrigen Ska-Rhythmen von Madness.

    Auf ihrem 1994 erschienen Debütalbum „Exit Planet Dust“ und dem 1996 veröffentlichten „Dig your own hole“ perfektionierten Simmons und Rowland ihre eklektischen Klangeskapaden. Nicht zu Unrecht gelten sie seither als die Gründerväter des Big Beat, jenem Genre das als akustisches Äquivalent zu Getränken wie Red Bull/Vodka gelten kann und ebenso wie die klebrige Flüssigkeit, weniger auf den Geschmacksnerv, denn auf den größtmöglichen Effekt abzielt.

    Kalt/warm

    Auch auf ihrem mittlerweile vierten Album, „Come with us“, sind die chemischen Brüder dem Prinzip kalt/warm treu geblieben. Zwar sind die rauen Gitarren-Riffs und Metal-Einsprengsel der frühen Werke weitgehend verschwunden, dennoch wird hier nicht gekleckert sondern geklotzt. Gnadenlos hochgepitchte Geigen verpuffen im weißen Rauschen, ratternde Beats beschleunigen sich zur grellen Klangexplosion, dazwischen wird ein Soundteppich aus scheußlich-süßen Synthesizer-Psychadelica gespannt, der nur darauf wartet, vom nächsten Crescendo zugepatzt zu werden.

    Mit „It began in Afrika“ und „Star Guitar“ finden sich zwei veritable Hits auf dem Album. Für Abwechslung im fröhlichen Gebretter sorgt die von Electronic-Folk Chanteuse Beth Orton gesungene Ballade „The State we´re in“. Auch auf der Gästeliste: Ex-Verve-Frontman Richard Ashcroft, der sich zu einer mit Techno-Beats aufgemotzten Improvisation des polnischen Rock-Esoterikers Czeslaw Niemen selbst parodiert. Alles in allem: Eine Platte wie ein Besuch im Wurstl-Prater. (dx)

    The Chemical Brothers: "Come with us" (Virgin 2002)

    Anspieltipps: "It began in Afrika", "Galaxy Bounce", "Star Guitar", "The State we´re in"

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    The Chemical Brothers

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