"Normaler" Konkurrenzkampf . . .

1. Februar 2002, 22:12
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Der am härtesten umkämpfte Markt ist in Wien: Dort stehen die Kinosessel am dichtesten.

von Andrea Waldbrunner


Wien/Linz/Graz - Der am härtesten umkämpfte Markt ist in Wien. Dort stehen die Kinosessel am dichtesten, in die sich Besucher niederlassen sollen, um etwa Michael Hanekes Die Klavierspielerin auf die Finger zu sehen oder sich in Herr der Ringe in fantastische Welten entführen zu lassen. Das Kinosterben in der Innenstadt ist nun um ein Beispiel reicher: Ende Jänner haben die City Cinemas Konkurs angemeldet, damit gibt es in der Innenstadt, wenn Gartenbau und Metro Kino nicht erhalten werden können, acht Kinos oder viereinhalbtausend Sitzplätze weniger.

Der größte Player in Österreich ist die Constantin-Gruppe. In Wien war sie bis jetzt mit ihren Innenstadtkinos Konkurrenz zu den City Cinemas - "höchst erfolgreich", frohlockt Constantin-Marketingchef Harald Grabner.

Constantin "programmiert" nicht nur die eigenen Kinosäle

Insgesamt bespielt Constantin in Österreich rund 120 eigene Kinosäle, das macht nach eigenen Angaben einen "für 2001 geschätzten Marktanteil von 36 Prozent" (Zahlen werden derzeit erhoben, Anm.) - bezogen auf rund 18 Millionen Kinobesucher im vergangenen Jahr. Dazu "programmiert" die Constantin weitere 70 Kinosäle in Österreich. Das bedeutet, dass private Kinobetreiber die Programme von der Constantin-Gruppe übernehmen. Sie bestimmt damit in 200 - von insgesamt 580 - Kinosälen, was gespielt wird.

Das dritte Standbein der Gruppe unter Führung von Anton und Christian Langhammer: der Filmverleih. Allein aus diesem Geschäft erlöst das Unternehmen - nach brancheninternen Schätzungen - 27,25 Millionen Euro oder 375 Millionen Schilling im Jahr. Über repräsentative Zahlen wird in der Branche geschwiegen - nicht einmal bei der Interessenvertretung in der Wirtschaftskammer kann man Zahlen nennen.

"Kein Monopol"

Christian Langhammer sieht dem STANDARD gegenüber keine dominante Stellung im Kinogeschäft: "Wir sind Marktführer, aber nicht marktdominierend." Von einem Monopol könne man nicht sprechen, "wir haben zu unseren Mitbewerbern ein normales Verhältnis". Jedoch schielt innerhalb der Branche jeder nach jedem. Zu groß ist die Werbeschlacht um Kundschaft mit "noch breiteren Lovechairs" und größeren Popcorntüten. Die Konkurrenz auf den Plätzen zwei und drei ist ohnehin abgeschlagen: Die aus Tirol stammende Kinofamilie Hueber verfügt laut Wirtschaftskammer über sechs "Megaplexxe" mit 61 Leinwänden, die UCI lässt ihre Filme auf 47 Leinwänden flimmern. Seit kurzem ist sie in der Wiener Millennium-City vertreten.

Relativ klar sind die Fronten am Kinomarkt in den Bundesländern (siehe nebenstehenden Artikel). In praktisch allen Landeshauptstädten existieren neben den großen Kinoplayern mit ihren "Plexxen" gut gehende Programm- und Nischenkinos.

"Wir behaupten uns gut." Anton Primschitz ist zwar mit dem Ertrag seines "Schubertkinos" in Graz so weit zufrieden. Das angeschlossene Café und die Filmförderung sichern sein Überleben. Aber: Die Constantin beliefert ihn aus Konkurrenzgründen nicht mit ihren Filmen. Er ist auf kleine Verleihe wie den Wiener Filmladen angewiesen.

Ein ähnliches, gut gehendes Konzept von Kino samt Café und Restaurant verfolgt in Linz Wolfgang Steininger. Er besetzt mit dem "moviemento" und dem City-Kino die Nische des Programmkinos. "Wir spielen zu 50 Prozent Minderheitenprogramm". Überleben kann er mit einer jährlichen Förderung von 72.672 Euro.
(THEMA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 01.02. 2002)

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