Stammzell-Entscheid scheidet die Geister

31. Jänner 2002, 21:12
posten

Heimische Ethiker einig: kein Zeitdruck

Berlin/Wien - Bis Juni möchte die deutsche Regierung das Bundestags-Ja zum Import von Embryozellen unter Auflagen in Gesetzesform gießen. Stammzellforscher Oliver Brüstle von der Uni Bonn, der den Einfuhrantrag gestellt hatte, nahm die Entscheidung von Mittwoch erwartungsgemäß positiv auf, ebenso einige Pharmafirmen. Dafür mussten sie sich vom Kölner Bischof Joachim Meißner, dem schärfsten Kritiker, als "Profiteure durch die Tötung eines Menschen am Beginn seiner Existenz" kritisieren lassen.

Indes entzweit der deutsche Kompromiss, der Züchtung von Embryonen zu Forschungszwecken und Bezahlung für deren Zerstörung ausschließt, heimische Experten. Einigkeit herrscht nur darüber, dass mangels Forschungsanträgen in Österreich derzeit kein Handlungsbedarf besteht. Wenn doch, begrüßt der evangelische Theologe Ulrich Körtner von der Ethikkommission der Bundesregierung den deutschen Weg als mögliches "verantwortungsvolles" Modell für Österreich.

Der Vorsitzende des Ethikgremiums, der Gynäkologe Johannes Huber, dagegen kritisierte die "hypothetischen" Grundlagen des Stammzell-Beschlusses, da "nirgendwo" eine therapeutische Anwendung für Embryozellen "in Sicht" sei. Die Abgeordneten seien nicht gut informiert gewesen. (rosch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1. 2. 2002)

Share if you care.