Der Müll soll in Simmering brennen

31. Jänner 2002, 21:08
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Der Bezirk ist "einigermaßen skeptisch"

Wien - Eine erste Vorentscheidung ist gefallen: Für den Bau einer dritten Müllverbrennungsanlage ist die Umgebung der Entsorgungsbetriebe Simmering (EBS) ein geeigneter Standort. Zumindest laut dem Bericht einer wissenschaftlichen Expertengruppe, der am Donnerstag vorgelegt wurde. Vom Simmeringer Bezirksvorsteher Otmar Brix (SP) kam bereits die erste "einigermaßen skeptische" Reaktion.

Drei weitere "bedingt geeignete" Standorte

Abgesehen vom EBS-Standort haben die von Umweltstadträtin Isabella Kossina (SP) beauftragten Experten noch drei weitere "bedingt geeignete" Standorte herausgefiltert: Beim E-Werkgelände in Simmering sowie Rothneusiedel und Leopoldau Süd. Alle anderen Standorte in Wien seien fürs Müllverbrennen "minder oder nicht geeignet". Kriterien für diese Auswahl waren "Raumordnung und Stadtplanung, Lage, Infrastrukturerfordernisse, Schutz der Bevölkerung, Schutz der Natur und Schutz von Kulturgütern".

"Das Gutachten ist jedenfalls noch keine politische Entscheidung", betonte Bezirkschef Brix. Simmering habe große Vorleistungen in der Ver- und Entsorgung erbracht - der Bau der Müllverbrennungsanlage "wäre zweifellos eine weitere große Belastung für den Bezirk, die - vorausgesetzt, dass das Projekt überhaupt in Simmering realisiert wird - durch strengste Auflagen so weit wie immer möglich gemildert werden muss".

Jedenfalls müssten die Bürger beteiligt werden: "Ohne die Simmeringerinnen und Simmeringer geht gar nichts!" Und eine "Lkw-Lawine" müsse verhindert werden, mithilfe einer Sammelstelle von der der Mist mit der Bahn transportiert werden könne.

Der Abgasstaubsauger

Auch wenn Brix von einer "großen Belastung" spricht - laut einer Aussendung von Stadträtin Kossina ist die neue Müllverbrennung quasi ein Abgas-Staubsauger: "Es wurde darauf hingewiesen, dass bei einer optimalen Nutzung der im Müll enthaltenen Energie sogar Emissionsminderungen zu erzielen sind, wodurch sich durch die thermische Abfallverwertungsanlage sogar eine Verringerung von Schadstoffimmissionen und Kohlendioxidemissionen in Wien ergeben kann."

In der strategischen Umweltprüfung für Wien wurde festgelegt, dass die neue Anlage mit einer Kapazität von insgesamt rund 450.000 Tonnen pro Jahr errichtet werden soll. Die Kosten sind noch offen, die Fertigstellung wird für 2007 angepeilt. Sobald die neue Anlage fertig ist, soll die sanierungsfällige Müllverbrennung am Flötzersteig stillgelegt werden. (frei, DER STANDARD Print-Ausgabe 1.2.2002)

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