Linz: Frächter weist Vorwürfe strikt zurück

31. Jänner 2002, 21:05
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Angebliche Ermittlungen seien Hetzjagd

Linz - In Oberösterreich gehen die Transportunternehmer nun zum "Gegenangriff" auf die bayrischen Behörden, die im so genannten Frächterskandal" ermitteln, über. Der Fachgruppenvorsteher in der Wirtschaftskammer, Franz Grad, sieht sich als Opfer einer Hetzjagd. Auch Grads Spedition Transdanubia soll von den Ermittlungen wegen illegaler Ausländerbeschäftigung und Sozialbetrug betroffen sein. Grad weist alle Vorwürfe von sich und kündigte Klagen gegen bayrische Behörden und den ORF wegen Geschäftsschädigung an.

50 Anzeigen gegen ungarische Fahrer

Beim Hauptzollamt Rosenheim, das die Ermittlungen in Deutschland leitet, will man zu den Vorgängen um Grad am Donnerstag offiziell keine Stellungnahme abgeben. Dass 50 Anzeigen gegen ungarische Fahrer Grads erstattet wurden, wie im ORF berichtet, wird weder bestätigt noch dementiert. Es seien allerdings nicht nur österreichische Frächter betroffen, auch gegen deutsche Speditionen werde vorgegangen. Bei der zuständigen Staatsanwaltschaft München II erklärte der Pressesprecher am Donnerstag, seine Behörde sei mit der Transdanubia nicht befasst.

Der Spediteur, der nach eigenen Angaben insgesamt 300 Lenker beschäftigt, betont vehement, gesetzestreu vorgegangen zu sein. Seit 1987 habe er eine Spedition in Luxemburg, wo die Fahrer ordnungsgemäß angemeldet seien, ihre Sozialabgaben würden ebenso ordnungsgemäß in Ungarn entrichtet. Der zuständige Abteilungsleiter der Arbeitsmarktverwaltung in Luxemburg war am Donnerstag für eine Verifizierung der Angaben nicht zu erreichen.

Eine Tochterfirma in Luxemburg zu betreiben, bringt für Frächter mehrere Vorteile. Erstens wird die Ausländerbeschäftigung weniger strikt gehandhabt, zusätzlich sind die Steuern niedriger.

Frächtergewerbe illegale Praktiken

Dass im Frächtergewerbe illegale Praktiken angewandt werden, bestätigt auch eine Diplomarbeit an der Linzer Uni aus dem Jahr 2000. Der Verfasser, Andreas Reisinger, arbeitet für seine Studie 14 Wochen lang als Fernfahrer bei zwei österreichischen Firmen. Das Ergebnis: Teilweise kam er auf eine (illegale) wöchentliche Einsatzzeit von mehr als 100 Stunden. Auch bei der Entlohnung wurde getrickst. Statt des kollektivvertraglich vorgesehenen Bruttolohns von 2223,79 Euro (30.600 S) plus 799,40 Euro Diäten erhielt er nur 1453,46 Euro Bruttolohn, dafür Diäten in der Höhe von 1235,44 Euro, was Abgaben spart. (Michael Möseneder, DER STANDARD Print-Ausgabe 1.2.2002)

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