Springer: Friede erklärt Kirch den Krieg

7. Februar 2002, 22:52
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Deutsche Medienbranche vor Neuordnung: WAZ will Springer

Der Friede währte ein Jahrzehnt: Nach der Ankündigung des Springer-Verlages, sich seinen Anteil an Leo Kirchs Senderfamilie auszahlen zu lassen, ist der Streit zwischen den beiden Unternehmen voll entbrannt. Die deutsche Medienbranche steht vor einer Neuordnung.

Was Branchengrößen wie Rupert Murdoch oder Bertelsmann noch nicht schafften, könnte einem bisherigen Mitstreiter und Aktionär gelingen: Leo Kirch finanziell in die Knie zu zwingen. Denn die Ankündigung des Springer-Verlags, sich seinen 11,5-Prozent-Anteil an Kirchs Senderfamilie aus Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1 und N 24 auszahlen zu lassen, ist mit einer konkreten Summe und einer Frist verbunden: Springer will binnen drei Monaten eine Dreiviertelmilliarde Euro vom Münchner Konzern, der bereits mit sechs Milliarden Euro verschuldet ist. Ebenfalls bis April haben die Banken Kirch einen Zahlungsaufschub zugebilligt.

Vermutlich wird ein Gericht den Streit schlichten müssen. Die Kirch-Gruppe will rechtlich gegen Springers Forderung vorgehen und argumentiert, die Ausübung der Verkaufsoption sei nicht wirksam. Eine juristische Anfechtung werde keinen Bestand haben, konterte der Hamburger Verlagskonzern. Dem Vernehmen nach sollen Rechtsexperten den Vertrag genau geprüft haben.

Für Kirch geht es nicht nur um das finanzielle Überleben, sondern auch um seinen Einfluss auf dem deutschen Medienmarkt: Kirch ist mit 40 Prozent an Springer beteiligt. Der neue Vorstandsvorsitzende des Verlags, Mathias Döpfner, will offenkundig mit Rückendeckung der Verlegerin Friede Springer den ungeliebten Großaktionär loswerden.

Für Kirchs Anteil gibt es Brancheninformationen zufolge mehrere Interessenten, unter anderem die WAZ-Gruppe, die gerade in Serbien expandiert und bei Slobodan Milosevic' Leibblatt Politika eingestiegen ist. In Österreich gehören der WAZ je rund 50 Prozent an Krone und Kurier.

Vom Streit Springer - Kirch könnte auch Murdoch profitieren. Kirch könnte genötigt sein, einen größeren Anteil an seinem Konzern an den Medienunternehmer zu verkaufen. Damit hätte Murdoch endlich sein Ziel erreicht, in großem Stil auf dem deutschen Medienmarkt Fuß zu fassen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.2.2002)

STANDARD-Korrespondentin Alexandra Föderl-Schmid
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