Auf Haider ist Verlass

31. Jänner 2002, 20:35
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Susanne Riess-Passer kuschelt mit dem Alt- Parteichef - Ein Kommentar zur innenpolitischen Lage von Michael Völker

Nach dem großen Krach ist die Eintracht ausgebrochen. Susanne Riess-Passer kuschelt demonstrativ mit Jörg Haider, auch mit Wolfgang Schüssel, vielleicht nicht mit der gleichen Hingabe. "Wir arbeiten", ist die Botschaft, die an Volk und Wähler zu bringen ist. Bis diese auch ankommt, wird es wohl noch dauern - und vor allem einer Vorleistung der Regierung bedürfen.

In der ÖVP hat man den Streit mit dem Koalitionspartner gut überstanden. Mehr noch: Schüssel hat sich als Kanzler und Parteiobmann profiliert, hinter ihm sind die Reihen dichter zusammengerückt. So einig steht die FPÖ keineswegs da. Dass Schüssel einmal ordentlich auf den Tisch haut, hat etliche überrascht. Auch die Vizekanzlerin. Ihr musste wieder einmal Jörg Haider zur Seite springen. Jetzt müssen und können sich die Freiheitlichen erneut mit der ÖVP zusammenraufen.

In all seiner Unberechenbarkeit ist Haider mittlerweile eine verlässliche Komponente geworden. Nur vordergründig irritierend ist da sein außergerichtlicher Vergleich mit Ariel Muzicant, dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde. Fünf Ehrenerklärungen hat der Kärntner Landeshauptmann unterschrieben. Er bedauert und entschuldigt sich, erkennt sogar die "Gefährlichkeit bestimmter Andeutungen und Wortspiele". Ist das noch Haider? Kuschelt er mit Muzicant, den er so hartnäckig als Feindbild aufgebaut hat? Schuldeinbekenntnisse waren Haider bislang fremd - ein "meinetwegen" war immer dabei.

Haiders Einsicht ist wohl nur die eine: Muzicant hat als Feindbild (vorläufig) ausgedient. Der Aschermittwoch naht, zu diesem wird traditionell ordentlich auf den Putz gehaut. Anstelle Muzicants wird ein anderer auf die pseudohumoristische Tour hergewatscht werden, wird das Spiel mit Emotionen und Ressentiments neu entfacht. Auf Haider ist doch Verlass. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 1.2.2002)

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