Proteste gegen WEF in der Schweiz

31. Jänner 2002, 20:20
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Ein-Mann-Demonstration in Davos behördlich genehmigt - In New York Homepage blockiert

Bern/Davos - Gegner des Weltwirtschaftsforums (WEF) haben am Donnerstag in verschiedenen Schweizer Städten Aktionen durchgeführt. Überdies blockierten sie seit der Mittagszeit die WEF-Homepage. Eine Angestellte am WEF-Sitz in Genf bestätigte eine entsprechende Meldung des Onlinedienstes des "Tages-Anzeigers" über die Sabotage der Homepage. Sie wollte keinen Kommentar abgeben. Die Verantwortlichen befänden sich derzeit alle in New York. In den letzten Tagen waren auf den Homepages der WEF-Gegner mehrere Aufrufe zur Sabotage des Internet-Sites des Weltwirtschaftsforums lanciert worden.

24.000 Kerzen zündete die Bethlehem Mission Immensee (BMI) am Donnerstagabend auf dem Bundesplatz in Bern an. Zusammen mit etwa 90 anderen Organisationen forderte sie vom Bund mehr Unterstützung für arme Menschen. Die Kerzen stünden für die Opfer der Armut, hieß es. Die BMI verlangt im so genannten "Davoser Manifest", die Schweizer Regierung solle Lebensgrundlagen für Alle schaffen. Unter anderem solle die Schweiz die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit erhöhen. Sie solle sich ferner für ein internationales Konkursrecht für Staaten einsetzen.

Tobin Tax

Das Manifest befürwortet auch die Einführung einer Steuer auf Kapitaltransaktionen wie zum Beispiel der Tobin Tax. Diese helfe, die Spekulation einzudämmen und Entwicklung zu finanzieren. Innerhalb der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD solle die Schweiz sich für die angestrebte Halbierung der extremen Armut bis ins Jahr 2015 stark machen.

In Bern besetzten rund 20 Leute ein Gebäude von PriceWaterhouseCoopers (PWC). Die Wirtschafts- und Unternehmensberatungsfirma ist Mitglied des WEF. Die Demonstranten prangerten die "Politik von Ausbeutung und Sozialabbau" an, welche das WEF als "Motor der neoliberalen Globalisierung" vorantreibe. In Lausanne demonstrierten vor dem UBS-Gebäude etwa 70 Personen gegen das WEF. Sie klagten die Bank unter anderem an, Hauptmotor des Kapitalismus zu sein, für den nur finanzielle Interessen zählten. Dass das WEF am Donnerstag in New York und nicht in Davos eröffnet wurde, werteten sowohl die Berner als auch die Lausanner Demonstranten als Erfolg.

Die Davoser Behörden haben eine Bewilligung für eine Demonstration gegen das WEF erteilt - an eine einzige Person. Der 79-jährige Edouard Wahl kann am Samstag zwischen 13 und 16.30 Uhr in Davos gegen das WEF demonstrieren, das gleichzeitig in New York stattfindet. Wahl darf von Davos Dorf nach Davos Platz und umgekehrt marschieren. Die Bewilligung für die Ein-Mann-Demo gilt ausdrücklich nur für den Gesuchssteller selber. Sympathisanten dürfen sich ihm nicht anschließen.(APA/sda)

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