"Es entsteht ein Ungleichgewicht"

31. Jänner 2002, 20:13
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NATO-Generalsekretär Robertson sieht zunehmende Kluft zwischen Europäern und den USA

Berlin - Die Kluft zwischen Europäern und den USA beim Einsatz militärischer Mittel wird nach Einschätzung von NATO-Generalsekretär George Robertson immer größer. "Im Bündnis entsteht ein Ungleichgewicht", sagte Robertson der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitagausgabe). Es bestehe die Gefahr, dass einzelne NATO-Staaten nicht mehr in der Lage seien, mit den Amerikanern auf der Ebene zu handeln, die möglich sein sollte. Es würde dem Bündnis großen Schaden zufüge, wenn die USA in einem bewaffneten Konflikt den Hochtechnologieteil übernähmen und die Europäer "die Aufgaben im Schlamm - hier High-Tech und dort das Blut der Soldaten".

Die Verteidigungsausgaben der europäischen NATO-Staaten stiegen nicht im nötigen Umfang, kritisierte Robertson. "Zu viele Länder halten noch immer zu viele Antiquitäten aus dem kalten Krieg." Manche Staaten seien im "Kampf gegen den Terrorismus" trotz großer Anstrengungen nicht in der Lage gewesen, ihre Truppen ins Krisengebiet zu bringen. Viele notwendige Projekte im Bündnis gingen "mit der Geschwindigkeit von Gletschern voran". Auf die Beschaffung des europäischen Airbus-Transportflugzeugs A400M EADS angesprochen, sagte Robertson, eines der größten Defizite der europäischen NATO-Länder sei das Fehlen von Transportflugzeugen.

Robertson trat zugleich dem Eindruck entgegen, das Ungleichgewicht zwischen Europäern und Amerikanern führe zu einem Bedeutungsverlust des Bündnisses. Auch eine Supermacht wie die USA brauche Koalitionspartner. Zu den Hindernissen für eine Modernisierung der europäischen Armeen zählte Robertson auch die Wehrpflicht. In Zeiten, in denen vor allem gut ausgebildete und mobile Truppen gebraucht würden, hätten Wehrpflichtarmeen nur noch einen geringen Nutzen. Er verstehe aber die in Deutschland vorgebrachten politischen und sozialen Argumente für die Wehrpflicht.(APA/Reuters)

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