Bei RHI geht es um Leben oder Tod

31. Jänner 2002, 22:33
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Draxler: "Wenn Aktionäre dem Sanierungspaket bei Hauptversammlung zustimmen, gibt es eine Zukunft"

STANDARD: Sie sagen jetzt de facto: Wenn wir die Zustimmung bekommen bei dieser Hauptversammlung, werden wir weiterleben, sonst nicht?

Draxler: Selbstverständlich. Das Geld, das über die Wandelanleihe hereinkommt, ist ein unbedingt notwendiger Bestandteil in unseren Liquiditätsplänen. Worst Case ist - was ich nicht annehme -, dass die Aktionäre nicht zustimmen. Dann ist das Unternehmen in größten Problemen.

STANDARD: Mit dieser Liquiditätsspritze kommen Sie dann in den nächsten Jahren aus?

Draxler: Die Wandelanleihe und auch, was wir mit den Banken ausgemacht haben für die Kapitalrestrukturierung, gibt uns die Sicherheit, dass wir uns in den nächsten fünf Jahren auf das Geschäft konzentrieren können und nicht jeden Augenblick zittern müssen, dass irgendwer irgendwo Kredite fällig stellt und wir wieder Liquiditätsprobleme bekommen. Unser Hauptziel ist, eine vernünftige Eigenkapitalquote zu erreichen.

STANDARD: Wo sollte die liegen?

Draxler: Wir streben an, ohne Mezzaninkapital (die Banken haben 400 Mio. Euro Schulden der RHI in diese Mischform aus Eigen- und Fremdkapital gewandelt, Anm.) in den nächsten vier, fünf Jahren eine Eigenkapitalquote von 13 oder 14 Prozent zu erreichen.

STANDARD: Die Wandelanleihe in Höhe von 144 Millionen Euro muss von der außerordentlichen Hauptversammlung (a.o. HV) genehmigt werden. Gibt es da größere Investoren, die nicht zustimmen wollen?

Draxler: Nein. Von Investoren, die ein größeres Aktienpaket von uns besitzen, haben wir Indikationen, dass es eher positiv gesehen wird, zumal die auch sehen: Gibt es keine Zustimmung, fällt ein wichtiges Bein des Tisches, und der ganze Tisch verliert seine Funktion.

STANDARD: Wieso haben Sie nicht auch die von den Anlegerschützern geforderte Sonderprüfung auf die Tagesordnung der HV genommen?

Draxler: Weil der Aufsichtsrat uns einen Prüfauftrag gegeben hat, mit dem wir den ganzen Amerikakauf mit externen Beratern durchleuchten. Das Ergebnis der Prüfung wird rechtzeitig vor der ordentlichen HV zu Jahresmitte vorliegen. In dieser a.o. HV hat die Vergangenheit weniger Bedeutung. Jetzt müssen unsere Aktionäre entscheiden, ob es uns weiter gibt.

STANDARD: Warum hat es Sie in den USA so stark getroffen?

Draxler: Asbest ist natürlich ein wesentlicher Grund, denn die Klagen haben leider enorm zugenommen. Auf der anderen Seite ist auch das operative Geschäft durch die Rezession alles andere als erfreulich gelaufen, sodass wir Wertberichtigungen machen mussten. Klar ist: Es gibt bei uns kein Geld, das wir noch nach Amerika hätten schicken können. Und: Wir geben den Markt USA nicht auf, nur haben wir die Gesellschaften, die uns gehören, dort endkonsolidiert. Wir haben nicht vor, diese Gesellschaften in USA irgendwann wieder in unseren Konsolidierungskreis zu bekommen. Denn die Situation ist unkalkulierbar. Wir werden sicher in unserem Leben kein Unternehmen mehr kaufen, wo nur im entferntesten der Verdacht besteht, dass die Anwälte mit Sammelklagen ganze Industrien angreifen. Unser Ziel ist eine RHI asbestfrei.

STANDARD: Und wie sieht Ihre geschäftliche Strategie aus?

Draxler: Wir konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft Feuerfest und geben alles ab, was nicht dazugehört. Heraklith wird restrukturiert und nach ein, zwei Jahren entweder ganz verkauft oder mit einem Partner verschränkt. Vom Engineering behalten wir nur den Bereich, der unmittelbar mit Feuerfest zu tun hat.

Unser Hauptfokus bleibt mit 70 Prozent Stahl. Zyklische Schwankungen wollen wir ausgleichen, indem wir stärker in Wachstumsmärkte wie China gehen, wo Stahl noch sieben bis acht Prozent zulegt. Zudem bildet die Hinwendung zu Hightech-Produkten im Stahlbereich einen Ausgleich. Und nicht zuletzt werden wir auf Glas setzen.

STANDARD: Bei der AUA haben die Vorstände beschlossen, auf 15 Prozent ihres Gehaltes zu verzichten. Ein Thema für Sie?

Draxler: Unser Thema sind nicht die Personalaufwände, wir haben andere Probleme. Das ist nicht vergleichbar. (Der Standard, Printausgabe, 01.02.02)

RHI-Chef Helmut Draxler im Gespräch mit Esther Mitterstieler und Günther Strobl

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