Manchmal fast paranoid

1. Februar 2002, 13:08
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Olympische Sicherheit wird groß und immer größer geschrieben

Salt Lake City - Die Ruhe am angeblich sichersten Ort der Welt hat sich als trügerisch herausgestellt. Nachdem US-Bundesstaatsanwalt John Ashcroft bei einem Besuch in Salt Lake City Sicherheitsmängel festgestellt hatte, haben eine Woche vor Beginn der Olympischen Winterspiele hektische Bemühungen um die Beseitigung der Defizite begonnen. Noch in dieser Woche sollen weitere 90 staatliche Sicherheitskräfte in die Olympia-Stadt beordert werden, um im nahe gelegenen Park City die Unterhaltungsmeile "Main Street" abzusichern. Mit mehr als 10.000 Ordnungskräften - darunter mehr als 4500 Soldaten der US Army - war Salt Lake City schon vorher die mit Abstand am besten bewachte Austragungsstätte Olympischer Spiele.

Zwar hatte Ashcroft die Spiele bei zwei Presseterminen enthusiastisch als sicher erklärt, doch gleich nach seiner Rückkehr nach Washington teilte er dem Organisationskomitee (SLOC) per Fax seine Bedenken mit. "Es dreht sich nur um ein paar Verbesserungen, keine zusätzlichen Maßnahmen", spielte Robert Flowers vom "Utah Olympic Public Safety Command" die Bedeutung eines Berichtes in der New York Times über "Lücken im System" herunter. Dennoch verlor das SLOC keine Zeit. 90 Mitarbeiter der Einwanderungsbehörde wurden nach Utah beordert, sie müssen sich dort auf dem für sie ungewohnten Terrain der Objektsicherung bewähren.

Andererseits hatten die Sicherheitsorgane am Wochenende auch ihren ersten Test bestanden, als sich ein Mann von einer Fußgängerbrücke auf das Gelände des Olympischen Dorfes abseilte und dort binnen weniger Minuten verhaftet wurde. Für die Zukunft kündigten die Behörden eine Fortsetzung der rigorosen Gangart an. Dabei scheinen die Grenzen zwischen dem Streben nach absoluter Sicherheit und einem Anflug von Paranoia verwischt. So wurde in Salt Lake City schon damit begonnen, Zeitungs-Automaten mit Stahlseilen an Lichtpfähle zu ketten, damit sie nicht als Wurfgeschoss verwendet werden können.

Die höchste Stufe der Alarmbereitschaft, der so genannte "Code Red", wird allerdings erst bei der Eröffnungsfeier am 8. Februar erreicht, der nach inoffiziellen Quellen US-Präsident George W. Bush als Ehrengast beiwohnen soll. (Der Standard, Printausgabe, 01.02.02)

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