Hohe Strahlengefahr in Georgien

1. Februar 2002, 21:21
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Nuklearbatterien extrem gefährlich, aber keine Waffen

Salzburg/Wien - Die in den Wäldern Georgiens aufgetauchten Nuklearbatterien sind laut Experten durch ihre Strahlung extrem gefährlich, aber für Waffen ungeeignet.

"Am Montag versuchen wir, sie zu bergen", berichtet Melissa Fleming (Internationale Atomenergiebehörde IAEO, Wien) dem STANDARD, "aber sie strahlen so stark, dass eine Person sich selbst in einer Entfernung von zwei Metern - aus der wird gearbeitet - nur 40 Sekunden lang aufhalten darf. Nur Selbstmörder gingen länger oder näher heran."

Selbstmörder waren die drei Männer nicht, die beim Holzsammeln zwei wärmestrahlende Behälter gefunden hatten. Sie nahmen sie mit und erkrankten bald an extrem starken Strahlen, die aus den "Thermogeneratoren" drangen. "Solche Geräte verwendete die Sowjetunion zur Erzeugung von Wärme und Elektrizität an entlegenen Orten, wo lange keiner hinkommt", erklärt Physiker Friedrich Steinhäusler (Unis Salzburg und Stanford), "etwa in unbemannten Leuchttürmen. Bei einem Versorgungsflug ist schon einmal ein Gerät aus einem Hubschrauber gestürzt."

Wie viele es überhaupt gibt, weiß man nicht, das Wissenschaftsjournal Science spricht von Hunderten. Fleming bestätigt diese Zahl und auch, dass man über den Verbleib nichts weiß. Das macht Sorgen wegen möglicher terroristischer Nutzung als "schmutzige Bomben", bei denen man Nuklearmaterial mit herkömmlichem Sprengstoff kombiniert, um ganze Regionen zu verstrahlen. "Dafür sind die Geräte wenig geeignet", beruhigt Steinhäusler, "das Material ist in Keramik eingebunden und nicht in Pulverform, wie man es für diese Bomben bräuchte." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2./3. 2. 2002)

Von Jürgen Langenbach
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