Verfahren im Fall Credit Lyonnais wird fortgesetzt

31. Jänner 2002, 16:25
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Paris - Das Verfahren um mutmaßliche Milliarden-Schiebereien bei der ehemals staatlichen französischen Großbank Credit Lyonnais, in die auch Notenbankchef Jean-Claude Trichet verwickelt sein soll, wird fortgesetzt. Das Pariser Kassationsgericht lehnte am Donnerstag Berufungsanträge anderer mutmaßlicher Verantwortlicher ab, mit denen das Verfahren gestoppt werden sollte.

Die Anträge waren unter anderen von Ex-Credit-Lyonnais-Chef Jean-Yves Haberer gestellt worden. Trichet ist Frankreichs offizieller Kandidat für die Nachfolge von Wim Duisenberg an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die Ermittlungen zur Credit Lyonnais-Affäre wurden Ende 2000 abgeschlossen; in einigen Wochen wird die Entscheidung über eine Anklageerhebung erwartet. Für die Sanierung der Großbank waren Steuergelder in Höhe von 100 Mrd. Franc (15,2 Mrd. Euro/210 Mrd. S) ausgegeben worden, bevor das Institut 1999 privatisiert wurde. Es besteht der Verdacht, dass die Steuerzahler im Zusammenhang mit der Privatisierung absichtlich geschädigt wurden.

Trichet war zu Beginn der neunziger Jahre Direktor des Schatzamtes im Wirtschafts- und Finanzministerium und damit für staatliche Unternehmen wie Credit Lyonnais zuständig. Er ist seit 1993 Gouverneur der Pariser Notenbank (Banque de France). Im September 1999 wurde er für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt. Kraft Amtes ist Trichet auch Mitglied im Zentralbankrat der EZB. (APA)

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