Ein Modell für Österreich?

31. Jänner 2002, 15:13
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Weitgehende Zustimmung unter heimischen Wissenschaftern zur deutschen Entscheidung

Wien - Die Entscheidung des deutschen Bundestages zur bedingten Zulassung von Forschungen mit importierten embryonalen Stammzellen stößt bei heimischen Wissenschaftern weitgehend auf Zustimmung. So kann sich der evangelische Theologe und Bioethiker Ulrich Körtner (Universität Wien) - er ist auch Mitglied der österreichischen Bioethik-Kommission - die deutsche Regelung als Modell für Österreich vorstellen. Mit Bedauern reagierte der Vatikan auf die Entscheidung des Bundestages.

Körtners Standpunkt

Wie Körtner betonte, halte er die Regelung deshalb für gut, weil sie weder die Tür für Forschung verschließe, noch eine völlige Liberalisierung zulasse. In Österreich sei die gesetzliche Regelung für einen Import von Stammzellen derzeit nicht ganz klar. "Ich persönlich bin der Meinung, dass das Fortpflanzungsmedizingesetz zwar die Herstellung, nicht aber den Import von embryonalen Stammzell-Linien verbietet", so der Ethiker.

Allerdings stelle sich die Frage derzeit auch nicht, da - im Gegensatz zu Deutschland - keinerlei Anträge für Forschungsprojekte mit importierten Stammzellen vorliegen würden. "Wenn es so weit ist, hoffe ich auf eine ähnlich verantwortungsvolle Lösung wie in Deutschland", betonte Körtner.

Aufgabe der Bioethik-Kommission

Die österreichische Bioethikkommission wird sich in den kommenden Wochen jedenfalls indirekt mit Stammzellenforschung befassen. Die Bundesregierung beauftragte das Gremium nämlich mit einer Stellungnahme zum in Vorbereitung befindlichen 6. Rahmenprogramm der EU. Darin sind Mittel für Stammzellenforschung vorgesehen und es stellt sich die Frage, ob Österreich dies unterstützen soll. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer hat bereits mehrfach ihre Bedenken gegen eine finanzielle Unterstützung von Stammzellen-Forschung auf EU-Ebene durch Österreich angemeldet.

Zustimmung und Skepsis

Ungeteilte Zustimmung zur deutschen Entscheidung über den Import von Stammzellen kam seitens der Naturwissenschaft. "Wenn wir uns nicht völlig ausgrenzen wollen, müssen wir diese Art von Forschung auch zulassen", sagte Molekularbiologe Erwin Wagner vom Institut für Molekulare Pathologie (IMP - Boehringer Ingelheim) in Wien. Mann könne heute problemlos Tumorzellen-Linien kaufen, warum also nicht auch Stammzellen. Derzeit seien seitens des IMP keine Anträge auf Import von embryonalen Stammzellen geplant, er, Wagner, hoffe aber, dass die Möglichkeit offen bleibt und keine bürokratischen Hürden aufgebaut werden.

Skepsis bezüglich der nun beschlossenen deutschen Regelung signalisierte dagegen Hans Goller, Professor am Institut für Christliche Philosophie der Universität Innsbruck. "Ich wünsche mir Information über alternative Möglichkeiten, etwa über adulte Stammzellenforschung", so der Wissenschafter. Die Frage, ob die Forschung an embryonalen Stammzellen unbedingt nötig sei, ist nach Ansicht des Theologen nicht ausreichend geklärt. Andererseits müsse man sich klar sein, dass die jetzt angelaufene Forschung passieren werde. "Hätte sie Deutschland verboten, so würde sie anderweitig durchgeführt", sagte Goller. (APA)

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