Neue CDs zum Tanzen, Weinen und Chillen

31. Jänner 2002, 22:20
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Kirk Degiorgio "As one", Alois Huber "E mbient" und Johnny Adams "Released"


KIRK DEGIORGIO PRESENTS: As One - 21st Century Soul
(Black Market)

Der Brite Degiorgio, der mit seinem Album Planetary Folklore 1997 die Gefühlstiefe von Soul und Funk in den Mo'Wax-TripHop-Sound einführte, liefert mit 21st Century Soul ein ambivalentes Album ab. Er wird dem Arbeitsitel nämlich nur in Stücken wie Problems gerecht. In diesem singt ein gewisser Jinadu zu Rhythmen, wie man sie von Sly und seiner Family Stone kennt - die also doch rückwärts gerichtet sind. In den instrumental gehalten Tracks lässt sich das Potenzial Degiorgios zwar erahnen, das Album wirkt jedoch, als käme er sich selbst nicht wirklich nahe. flu


ALOIS HUBER E mbient
(Laton/Mdos.at)

Was bisher nur auf Maxis und mehr oder weniger obskuren Samplern erhältlich war, kompiliert der niederösterreichische Elektronik-Wizzard Alois Huber nun auf E mbient: Seine Ambient-Tracks. Wie sich diese "E"-Schreibweise deuten lässt? "Essenziell" bietet sich an. Oder: "Endlich!" Hubers dunkle Soundstudien verweisen Legionen halbinspirierter Elektronik-Dilettanten auf die Plätze. Er verdeutlicht in seinen Arbeiten, dass es nicht viele halbdurchdachte, sondern nur eine oder wenige, dafür ausgearbeitete Ideen braucht, um Wesentliches zu schaffen. Und zwar ohne einem ans Nervenkostüm zu gehen oder sich als unfreiwillige Einschlafhilfe zu entpuppen. All jenen Elektronikinteressierten, denen Hubers Werk in Ermangelung eines Plattenspielers bis jetzt verschlossen war, dringend nahe gelegt. flu


JOHNNY ADAMS Released
(RPM-Records/Audiocenter: 01/ 533 68 49)

Das britische Label RPM-Records veröffentlicht mit Released posthum das Debütalbum des 1998 verstorbenen Soul-Großmeisters Johnny Adams aus dem Jahr 1969: Heart And Soul. Die "Tan Nightingale", wie der Mann mit der steinerweichenden Stimme aus New Orleans genannt wurde, schmettert darauf Balladen wie das immergrüne Release Me gen Himmel, oder lässt sich in Georgia Morning Dew von sexy Slide-Gitarre-Motiven - wie sie sich auch Ry Cooder angeeignet hat - den Weg zum Southern Soul weisen. Erweitert wurde die CD um rares Adams-Material aus den späten Sixties bis herauf zum Jahr 1983: Stairway To Heaven, oder Hell Yes, I Cheated sind zwar programmatisch traurige Titel, der gerade im musikalischen "Melting Pot" New Orleans gepflegte Wahnsinn eines Dr. John oder eines Professor Longhair, ist auch im Werk von Adams permanent präsent und verschmilzt mit der rohen Eleganz der Arrangements dieser Zeit. flu
(RONDO, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 01.02. 2002)

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