Erneut Flüchtlingsdrama vor der italienischen Küste

31. Jänner 2002, 14:41
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400 Menschen auf manövrierunfähigem Schiff - Schlepper geflüchtet

Rom - Ein Schiff mit etwa 400 überwiegend kurdischen Flüchtlingen an Bord ist am Donnerstag im süditalienischen Hafen von Gallipoli, 50 Kilometer südlich von Brindisi, eingetroffen. Es handelt sich um das bisher größte Flüchtlingsschiff, das seit Jahresbeginn in Italien angekommen ist. Im Vorjahr waren insgesamt rund 6.000 Menschen auf diese Weise nach Italien gelangt. Eine Frau war im vergangenen Oktober im Rumpf eines Schiffes tot aufgefunden worden.

Das unter türkischer Flagge fahrende Schiff war bereits in der Nacht manövrierunfähig von der italienischen Küstenwache, rund fünf Seemeilen vom Hafen entfernt, entdeckt worden. Die Schlepper hatten nach Aussage von Flüchtlingen das Schiff, dessen Steuerruder nicht mehr funktionierte, vor dem Eintreffen der Polizei verlassen. Trotzdem schlossen die italienischen Behörden nicht aus, dass zumindest einige von ihnen nun versuchten, sich als Flüchtlinge auszugeben.

Völlig entkräftet

Das von Kurden, Palästinensern, Afghanen und Pakistanern überfüllte Schiff hatte am vergangenen Sonntag von der türkischen Küste abgelegt. Die Passagiere hatten nach eigenen Angaben bis zu 3.000 Dollar (rund 3.450 Euro) bezahlt. Noch bevor das verwahrloste Schiff in den Hafen von Gallipoli geschleppt wurde, hatte die italienische Polizei einen Mann, eine Frau und ihr vor zwei Tagen zur Welt gekommenes Kind mit einem Schnellboot an Land gebracht.

Drei weitere Kinder wurden nach der Ankunft im Hafen in ein Krankenhaus gebracht. Zahlreiche Passagiere seien völlig entkräftet gewesen, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA. Die Flüchtlinge wurden in drei Aufnahmelager in der Region gebracht. Geschäftsleute von Gallipoli stellten spontan Lebensmittel zur Verfügung.

Kein Einzelfall

Ebenfalls am Donnerstag wurde vor dem Hafen von Civitavecchia bei Rom ein mit rund 20 Menschen besetztes Flüchtlingsschiff entdeckt. Die aus der Ukraine stammende Besatzung habe wegen des starken Seegangs um Hilfe gebeten, hieß es. Das Schiff mit moldawischen Staatsbürgern an Bord wollte nach Angaben der Polizei ursprünglich die französische Küste erreichen.(APA/dpa)

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