Sensibel im Umgang mit ihren Motiven

31. Jänner 2002, 14:25
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Das Leben einer Weltklasse-Fotografin

New York - Sie war eine weltweit anerkannte Fotografin und trotz ihres zurückhaltenden Wesens als Gattin des US-Dramatikers Arthur Miller auch immer wieder für die Regenbogenpresse interessant. Dass Inge Morath, die am Mittwoch, in einem New Yorker Krankenhaus gestorben ist, gebürtige Österreicherin war, dürfte vorwiegend in ihrer Heimat bekannt gewesen sein. Sie wurde am 27. Mai 1923 in Graz geboren, doch verbrachte den größten Teil ihres Lebens außerhalb von Österreich.

1949 schloss sie sich Fotoagentur "Magnum" an

Schon ihre Jugend verbrachte sie vorwiegend in Deutschland und Frankreich. Nach ihrem Studium der Romanistik und Sprachwissenschaften in Berlin, begann sie 1945 beim "United States Information Service" in Salzburg als Übersetzerin zu arbeiten, wechselte 1946 nach Wien zum "Kurier" und arbeitete schließlich in der Bundeshauptstadt für mehrere Medien. Erst 1948 arbeitete sie als Bildredakteurin, für die Münchner Illustrierte "heute" in Wien. Ein Jahr später schloss sich Morath der neugegründeten Fotoagentur Magnum in Paris an - allerdings noch nicht als Fotografin, sondern weiterhin "nur" als Textjournalistin.

Ab 1953 arbeitete sie als Fotografin

Nach ihrer Heirat mit dem englischen Journalisten Lionel Birch zog es Morath 1951 nach London: Ein Kurzbesuch in Venedig wurde zum ausschlagenden Erlebnis - sie begann zu fotografieren. Ab 1953 arbeitete Morath schließlich als Fotografin für die Bildagentur Magnum - u.a. mit dem französischen Starfotografen Henri Cartier-Bresson -, zunächst als assoziiertes Mitglied, ab 1955 als Vollmitglied. Für die Fotografin begann eine Zeit intensiver Reisetätigkeit: Fotoaufträge führten sie nach Irland, Frankreich, Italien, Spanien, Österreich, Südafrika, in den Iran, nach China. 1956 kam Morath zum ersten Mal nach New York, das in der Folge immer öfter zum Ausgangspunkt ihrer Reisen wurde.

Inge Morath und Arthur Miller: Seine Berühmtheit war ihr "wurscht"

1960 lernte Morath bei den Dreharbeiten zu "Misfits" den Dramatiker Arthur Miller kennen: Sie sollte Fotos von ihm und seiner damaligen Frau Marilyn Monroe schießen. Im New Yorker Magnum Büro traf sie ihn wieder, fotografierte später auch bei einer seiner Theaterproduktionen. Der Kontakt zwischen den beiden vertiefte sich, und im Frühjahr 1962 heirateten sie. Der literarische Ruf ihres Mannes öffnete Morath den Zugang zu bedeutenden Künstlern vieler Länder, doch ihr selbst war, sagte Morath einmal, "seine Berühmtheit wurscht: Ich war schon ich selbst, wie ich den Arthur geheiratet habe - und berühmte Leute habe ich vorher auch schon gekannt."

Verzicht auf "Inszenierung"

Nach Österreich kehrte Inge Morath, die 1991 den ersten Österreichischen Fotografie-Staatspreis erhielt und zuletzt im US-Bundesstaat Connecticut, in der Nähe von New York lebte, vor allem für Ausstellungen und Präsentationen von Buchprojekten heim. In der großen Ausstellung "Inge Morath - Das Leben als Photographin" (Kunsthalle Wien, 1999)bewies die dort gezeigte Auswahl von Reportage- und Porträts-Fotografien einmal mehr jene Qualität, die ihre Bilder weltweit bekannt gemacht haben: größte Sensibilität im Umgang mit ihren Motive. Gerade der Verzicht auf "Inszenierung" ermöglichte es Morath, zum Wesenskern des Dargestellten vorzudringen und Geschichten anzureißen, die der Betrachter selbst zu Ende denken sollte.

Jüngste New-York Photos von Morath im Mai in Salzburg

Im Mai wird in der Salzburger Galerie Fotohof eine Ausstellung ihrer "New York"-Fotos gezeigt. Dazu wird im Otto Müller Verlag auch ein Buch erscheinen. Man darf sicher sein, dass ihre Fotos, die sie dafür zuletzt von den privaten Gedenkstätten der Terror-Opfer des 11. September gemacht hat, die gleiche stille Zurückhaltung haben, die Inge Morath in Leben und Werk immer ausgezeichnet hat. (APA/red)

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