Immobilienwirtschaft warnt vor Basel II

31. Jänner 2002, 13:56
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Als spekulativ eingestufte Immobilienarten werden schwer finanzierbar

Wien - Nun warnt auch die Immobilienwirtschaft vor den Auswirkungen des Kreditabkommens Basel II, das ab 2005 neue Eigenkapitalvorschriften für die europäischen Banken bringen und Kredite für viele Bankkunden teils drastisch verteuern wird. Die rund 2.500 österreichischen Bauträger befürchten, dass Grundstückskäufe und andere als spekulativ eingestufte Immobilienarten als so riskant bewertet werden, dass sie nicht mehr finanzierbar sind. Außerdem hätten die neuen Vorschriften die "paradoxe Folge, dass Bauträger, die wenig bauen, eine höhere Bonität haben als Bauträger, die aktiver sind", kritisierte am Mittwoch Thomas Malloth, Präsident des Präsident des Branchenverbands ÖVI, in dem Makler, Verwalter und Bauträger zusammengeschlossen sind.

Verteuerung von Grundstückstransaktionen

"Der Kauf von ungewidmeten Grundstücken soll nach Basel II in die höchste Risikokategorie fallen", warnte Michaela Mischek von der Bauträgerplattform ÖVI-VÖB. Dies drohe, für die Stadtentwicklung wichtige Grundstückstransaktionen extrem zu verteuern. Damit könnten die Kommunen mit den Bauträgern Widmungspartner bei der Stadtentwicklung verlieren, fürchtet Mischek. Als weitere Folge sei zu befürchten, dass Projekte, die über vergleichsweise schlechte Renditen, dafür aber eine hohe ökologische oder Architektur-Qualität verfügten, nicht mehr zu finanzieren seien. Schlechter gestellt könnten auch die in Europa, nicht aber in den USA üblichen langfristigen Immobilienkredite werden.

Weiters befürchten die Bauträger, dass bei Projektfinanzierungen zu einer schlechten Bewertung und hohen Zinsen kommen wird. Dies würde auch für die die Finanzierung von Hotels und Freizeitimmobilien gelten. Auch diese würden nämlich als spekulativ betrachtet und - wenn sich nichts an dem Abkommen ändert - von einer günstigen Bewertung ausgeschlossen.

Bauträger werden nach Ration-Kriterien schlecht abschneiden

Dazu kommt, dass nach Basel II alle Branchen auch pauschal beurteilt werden und "die Bauträger nach den Rating-Kriterien generell schlecht abschneiden werden", befürchtet Malloth. "Wir glauben, dass in den bisherigen Papieren zu Basel II die Besonderheiten der Immobilienwirtschaft zu wenig berücksichtigt worden sind".

Um die sich abzeichnenden gravierenden Nachteile durch das Bankenabkommen zu vermeiden, fordert die Immobilienwirtschaft, dass künftig auch "stille Reserven" der Bauträger als Sicherheiten anerkannt werden. Langfristige Kredite dürften gegenüber kurzfristigeren nicht benachteiligt werden. Schließlich müsse die drohende Bewertung der Kredite für Grundstücksfinanzierungen entschärft werden.

Denn letztlich, warnte Malloth vor Journalisten, würden die durch die neuen Regeln entstehenden Mehrkosten "sicher beim Konsumenten ankommen". (APA)

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