Drama bei Deutscher Bank

31. Jänner 2002, 20:01
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Gewinn brach 2001 um zwei Drittel ein - Führungsteam wird umgekrempelt

Zu einem dramatischen Gewinneinbruch kam es im vergangenen Jahr bei der Deutschen Bank. Wie Vorstandssprecher Rolf E. Breuer am Donnerstag in einer Pressekonferenz in Frankfurt mitteilte, sank der Jahresüberschuss vor Steuern um 6,9 Milliarden Euro auf 1,8 Milliarden Euro. Ein Teil dieses Rückganges sei auf die Änderung der Bilanzierungsmethoden (Übergang auf US-GAAP) zurückzuführen gewesen, der Großteil jedoch auf deutlich verringerte Nettoerträge und höhere Risikovorsorgen im Kreditgeschäft.

Die Nettoerträge sanken um 4,9 Mrd. Euro oder 14 Prozent auf 29,6 Mrd. Euro, was Breuer vor allem auf die Schwäche der Finanzmärkte, insbesondere nach dem 11. September, zurückführte. Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft musste auf eine Milliarde Euro erhöht und damit mehr als verdoppelt werden.

Der Jahresüberschuss nach Steuern, der für das Jahr 2000 noch mit 13,5 Mrd. Euro ausgewiesen war, verringerte sich bei einer von 929 Mrd. Euro auf 919 Mrd. Euro gesunkenen Bilanzsumme auf nur 167 Millionen Euro. Wie dramatisch der Gewinnrückgang tatsächlich ausfiel, zeigte sich vor allem am Ergebnis je Aktie, das von 22 Euro auf 0,27 Euro zurückging, sowie an der Eigenkapitalrendite der Bank, die nur noch 0,4 Prozent ausmacht nach 39,2 Prozent im Jahr davor. Dennoch wird das Institut für 2001 eine unveränderte Dividende von 1,3 Euro je Aktie bezahlen.

Für Breuer, der sich im Mai dieses Jahres aus dem Vorstand zurückzieht und in den Aufsichtsrat wechselt, war das Jahr 2001 "eine große Herausforderung". Die Deutsche Bank habe sich angesichts der schwachen Entwicklung an den internationalen Finanzmärkten gut behauptet, befand er. Das straffe Kostenmanagement habe Wirkung gezeigt. Die Kosten seien gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert geblieben. Der Personalaufwand habe sich sogar um ein Prozent auf 13,4 Mrd. Euro verringert. Allerdings hat auch die Zahl der Mitarbeiter von knapp 89.800 auf 86.250 abgenommen.

Zurückgestuft

Offenbar wegen der ungünstigen Geschäftsentwicklung 2001 wurde die Führungsstruktur der Bank mit sofortiger Wirkung total umgekrempelt. Aus dem bisherigen Vorstand schied, wie berichtet, Thomas Fischer aus. Jürgen Fitschen und Michael Philipp wurden in die zweite Führungsebene, die sich Group Executive Committee nennt, zurückgestuft.

Der Konzernvorstand besteht jetzt nur noch aus Breuer, der mit 22. Mai an Josef Ackermann übergibt, Clemens Börsig, Thessen von Heydebreck und - neu - Hermann-Josef Lamberti.

Gerüchte, wonach die Deutsche Bank einen Umzug der Zentrale nach London ins Auge fasse, wies Breuer zurück. an eine Verlagerung des Entscheidungszentrums sei nie gedacht gewesen. Jede Diskussion darüber schade dem Ansehen der Bank und des Finanzplatzes Deutschland. Auch wenn man global operiere, stehe das Geschäft mit deutschen Firmen und Privatkunden nicht zur Disposition. (STANDARD-Redakteur Günter Baburek aus Frankfurt , Der Standard, Printausgabe, 01.02.02)

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