Das Lächeln im Schacht

6. Februar 2002, 13:44
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Die Wiener Linien fahren auf der Schiene der Modernisierung. Die neuen U-Bahn-Züge kommen heller, freundlicher und flotter daher

Am Anfang jeder U-Bahn-Fahrt steht das Stieren ins schwarze Loch: erst das Warten, dann kommt ein Luftzug, gefolgt vom typischen U-Bahn-Gedonnere, schließlich tauchen die Lichter auf. Was dieser Tage noch quasi schmallippig-horizontalbeleuchtet daherkommt, wird sich in den nächsten Jahren allerorten zwischen Karlsplatz, Hütteldorf und Kagran in ein freundlich V-förmiges Lichtgoscherl verwandeln. Nämlich wenn die brandneuen U-Bahn-Züge zum Standard geworden sind und nicht mehr, wie derzeit, nur als Prototyp durch die Untergrundschächte brausen.

Die Wiener Linien setzen auf Erneuerung und Modernisierung. Ab dem Jahr 2004 sollen die derzeitigen U-Bahn-Garnituren, von den Wienern traditionell "Silberpfeil" genannt, ausgewechselt und von schnittigeren Zügen ersetzt werden. War in den vergangenen Jahren lediglich Oberflächenerneuerung wie etwa das Auswechseln der Sitzbezüge mit neuen Stoffen und Designs Thema, so setzt man nun auf eine Generalerneuerung des rollenden Materials. Die neuen Züge stammen aus den Industriedesign-Labors von Porsche-Design, die österreichischen Formgeber konnten eine entsprechende Ausschreibung für sich entscheiden.

Was ist also zu erwarten?

Die neuen Züge sind sowohl außen als auch innen elegant hell gehalten, die vertraute Silber-Grau-Orange-Tönung der alten Bahnen hat ausgedient. Die Nachfolger sind weißgrau, rote Einsprengsel in dieser ungewohnten Helligkeit bieten die Sitzpolsterungen und Haltestangen. Die Einrichtung - Halteschlaufen, Glastrennscheiben etc. - wurde modernisiert, aber beibehalten, desgleichen bleibt die Anordnung der Sitzgelegenheiten im Großen und Ganzen gleich. Der gravierendste Unterschied offenbart sich jeweils an den Enden der einzelnen Wagen: Fürderhin können die Passagiere den gesamten Zug, vom Triebwagen bis zum letzten Waggon, durchwandeln. Türen müssen dabei nicht geöffnet werden, die Ziehharmonika-Verbindungen zwischen den Wagen bleiben geräumig und offen. Dieses Feature war den U-Bahn-Vorständen ein besonderes Anliegen, weil damit das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste vor allem in den Abendstunden verstärkt werden sollte. Sicherer wird auch das Ein- und Aussteigen, der Spalt zwischen Bahnsteigkante und Fahrzeug ist kleiner als gehabt.

Überhaupt wirken die neuen U-Bahnen weiter, voluminöser, luftiger, obwohl sie eigentlich etwas niedriger sind als die herkömmlichen. Das liegt an einer verbesserten Platzeinteilung, die sich zum Beispiel in der Stehzone der Aus- und Einstiegsbereiche wohltuend bemerkbar macht. Wer direkt neben der Tür zu stehen kommt, muss sich in Zukunft nicht schmal machen, um den Verkehrsfluss nicht zu behindern. Apropos Türen: Die alten mechanisch zu bedienenden Türgriffe haben ausgedient, die neuen U-Bahnen öffnen auf Knopfdruck - und zwar beide Flügel gleichzeitig. Das frühere oftmals ärgerliche und unnötige Stauen an der halb geöffneten Tür entfällt somit.

Die neuen Untergrundflitzer sind vollklimatisiert, die Fenster in den Endbereichen der Waggons lassen sich jedoch wie gewohnt kippen. Ein vorzüglicher und von vielen lang ersehnter Service steht in Form hinterleuchteter Stationsanzeiger von überall gut sichtbar bereit. Zusätzlicher Bonus für wenig U-Bahn-Geübte: Auch die Ausstiegsseite wird über einen Pfeil verraten.

Ob es in den Wiener Subways der Zukunft auch die derzeit getesteten Infotainment-Screens geben wird, steht noch nicht fest. Die Betreibergesellschaft muss erst die Ergebnisse des Testlaufes abwarten.

derStandard/rondo/1/2/02

von uwo / maik
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