Megatrends: Technologie, Globalisierung und Demographie

31. Jänner 2002, 10:25
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Klaus Röpke, Nordea, über die dominierenden Investmentthemen der nächsten Jahrzehnte.

e-fundresearch: Der European Equity Fund verfolgt einen themenorientierten Investmentansatz. Sie haben die großen Trends Technologie, Globalisierung und Demographie hervorgehoben. Welches dieser Themen steht derzeit stark im Vordergrund?

Klaus Röpke: "Diese strukturellen Veränderungen sind sehr langfristiger Struktur und werden sich noch innerhalb der nächsten 15 Jahre auf die Märkte auswirken. So gesehen sind sie für uns alle gleich wichtig.

Die Globalisierung bietet noch erhebliche Rezessions- Möglichkeiten. Denn Globalisierung heisst nichts anderes, als dass sich die Anzahl der Anbieter stark erhöhen wird. Wenn sie beispielsweise ein Unternehmen in Vorarlberg haben und ihre Produkte über das Internet anbieten, dann erschliessen sie sich einen enorm großen Absatzmarkt. Eine mögliche Konkurrenz in China kann jedoch andererseits auch leicht den österreichischen Markt erreichen. Das bedeutet, dass dich der Wettbewerb stark erhöhen wird. Dies führt zu rückläufigen Margen und wird dazu führen, dass wir eine weitere Marktbereinigung in den nächsten Jahren sehen werden.

Aber 'The Winner Takes It All'. Der Gewinner wird zuletzt Marktanteile gewinnen und durch seine Größe wieder höhere Margen haben. Für uns ist es wichtig, aus den einzelnen Sektoren den Gewinner herauszufinden."

Nordeas themenorientierter Investmentansatz

e-fundresearch: Können Sie uns zu den drei Trends ein Unternehmen vorstellen, das sie in ihrem Fonds berücksichtigt haben?

Klaus Röpke: "Globalisierung führt zu starkem Wettbewerbsdruck. Als Folge haben sich viele Unternehmen überlegt, wie sie dennoch höhere Preise einfordern können. Dies führte dazu, dass Unternehmen aus der Auto-, Pharma- und Bankenindustrie die Ausgaben für Werbung stark erhöhten. Mit höheren Werbeausgaben kann man eine Marke schaffen. Der Kunden kauft dann nicht mehr nur ein Auto. Er kauft beispielsweise den Porsche, weil er einen gewissen Lebensstil damit verbindet.

Europäische Unternehmen investierten in der Vergangenheit deutlich weniger in Werbung als die amerikanischen Konkurrenten. Wenn sie aber an die Globalisierung der Märkte glauben, dann musste man davon ausgehen, dass die gleichen Wettbewerbsbedingungen herrschen werden. Das heisst, die Europäer mussten mehr werben, die Amerikaner weniger. Die europäischen Unternehmen haben in den letzten Jahren mehr geworben. Das war typisches Beispiel für unseren themenorientierten Investmentansatz. Für uns war in diesem Fall das Thema 'Branding'. Wir haben uns die Werbeindustrie in Europa angesehen und die Nummer eins der Werbeagenturen (WPP) herausgefiltert und in die Aktie investiert."

Röpke: "Das Schlimmste liegt hinter uns."

e-fundresearch: Können Sie uns abschliessend eine kurze Markteinschätzung geben?

Klaus Röpke: "Wir gehen davon aus, dass das Schlimmste hinter uns liegt. Das Geschäfts- und Konsumentenklima in Amerika verbessert sich. Normalerweise ist es für eine Rezession typisch, dass der Konsument aufhört zu konsumieren. Das haben wir nicht gesehen. Wir haben weltweit keinen großen Einbruch beim Konsum erkennen können. Grund dafür ist das geringe Zinsniveau, das sich von vorherigen Rezessionen unterscheidet. Wenn wir davon ausgehen, dass sich die Konjunktur erholen wird und die Zinsen weiter niedrig bleiben, dann haben wir ein ideales Szenario für einen Aufschwung am Aktienmarkt. Solange der Wettbewerbsdruck hoch bleibt, wird der Preisdruck auf Unternehmen weiter bestehen. Wenn der Preisspielraum gering ist, bleibt die Inflation gering und somit die Zinsen. Der Konsument kann weiter günstig konsumieren."

(e-fundresearch.com)

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