Verwirrung um Berichte um entführten US-Reporter Pearl

4. Februar 2002, 12:42
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Fernsehsender melden Tod des Journalisten - Kollegen und Polizeichef widersprechen

Washington - Über das Schicksal des in Pakistan verschleppten US-Reporters Daniel Pearl (38) gibt es widersprüchliche Berichte. US-Fernsehanstalten meldeten am Sonntag, der seit dem 23. Jänner verschwundene Reporter sei tot in Karachi aufgefunden worden. Dem widersprach der Polizeichef der Stadt. Bei dem Toten, der am Sonntag gefunden wurde, handele es sich nicht um den Journalisten Pearl, sagte der Polizeichef, Tariq Jamil, in der Nacht zum Montag. Kollegen Pearls hätten die Leiche in Augenschein genommen. Sie hätten danach bestätigt, dass es sich bei dem Toten nicht um Pearl handele.

Die Leiche des Journalisten, der für das "Wall Street Journal" arbeitete und in Pakistan über Verbindungen militanter islamistischer Gruppen recherchieren wollte, sei in der Nähe eines Gefängnisses offenbar aus einem Auto heraus auf die Straße geworfen worden, hatten die Sender ABC News und Fox News zuvor unter Berufung auf die Polizei in Karachi gemeldet. Die Leiche sei im Krankenhaus identifiziert worden. Auch der arabischen TV- Nachrichtensenders "Al Jazeera" meldete, Pearl sei tot.

Pearl war von der bisher unbekannten Extremistengruppe "Nationale Bewegung für die Wiederherstellung der pakistanischen Souveränität" verschleppt worden. Die Kidnapper hatten gedroht, den Korrespondenten zu töten, falls die USA nicht mutmaßliche pakistanische Terroristen freilassen.

Die pakistanische Zeitung "News" hatte am vergangenen Mittwoch berichtet, Pearl habe an einem Artikel über Kontakte des "Schuhbombers" Richard Reid gearbeitet, der am 22. Dezember mit Sprengstoff in seinen Schuhen versucht haben soll, einen Anschlag auf ein Flugzeug der American Airlines zu verüben.

Eine Stellungnahme der US-Regierung gab es zunächst nicht. Das "Wall Street Journal" lehnte ebenfalls eine Stellungnahme zu den Berichten ab. (APA/Reuters)

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