Gemischte Reaktionen

31. Jänner 2002, 15:14
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Pharmaunternehmen fürchten lange bürokratische Hürden

Frankfurt/Main - Die Entscheidung des Deutschen Bundestags, den Import von embryonalen Stammzellen unter strengen Auflagen zuzulassen, hat gemischte Reaktionen ausgelöst.

"Hürden"

Wissenschaftler sowie die Pharmaindustrie in Deutschland begrüßten den Beschluss vom Mittwochabend prinzipiell, warnten aber vor bürokratischen Hürden in den Genehmigungsverfahren.

Der Vorstand des Berliner Pharmaunternehmens Schering, Günter Stock, äußerte sich im Berliner "Tagesspiegel" positiv über das Votum der Parlamentarier. Dem Bericht zufolge warnte er aber zugleich vor zu viel Kontrolle und langwierigen Genehmigungsverfahren seitens der Verwaltungsbehörden.

Neues Gesetz

Der Parlamentarische Staatssekretär im Forschungsministerium, Wolf-Michael Catenhusen, kündigte derweil schon für die nächste Sitzungswoche des Bundestags ein neues Stammzellgesetz an. "Wir werden zu einer für die Wissenschaftler praktikablen Lösung ohne großen bürokratischen Aufwand kommen", zitiert ihn die "Financial Times Deutschland".

Schering-Chef Stock vertrat die Ansicht, man solle nun abwarten, welche Ergebnisse die Forschungen mit embryonalen Stammzellen brächten, bevor man über weiteren Bedarf entscheide. Dagegen forderte Wolfgang Rüdiger, der Chef des Biotech-Unternehmens Cytonet, gegenüber dem "Tagesspiegel", schnellstmöglich auch eine begrenzte Stückzahl in Deutschland gewonnener embryonaler Stammzellen für die Forschung freizugeben.

Kirchen wie gehabt

Die Kirchen sahen in etwaigen weitergehenden Schritten eine große Gefahr. Der Bischof der Evangelischen Kirche in Berlin und Brandenburg, Wolfgang Huber, warnte laut einem Bericht der Chemnitzer "Freien Presse" (Donnerstagausgabe) davor, nach der "Salami-Methode" zu verfahren. Die Entscheidung des Bundestags müsse das letzte Wort sein, und man müsse sicherstellen, "dass die Einschränkungen auch tatsächlich eingehalten werden". Er selbst hätte sich ein klares Nein des Bundestags gewünscht, wird Huber zitiert.

Seitens des Vatikans lobte man zwar die "unvergleichliche Gewissenhaftigkeit", mit der der deutsche Bundestag zu seinem Votum kam, die Entscheidung selbst wird jedoch mit Bedauern registriert. Vatikan-Vertreter sprachen von einem "Dammbruch", die Ausnahmeregelung würde zu einer Allgemeinregelung führen. Auch die deutschen Kardinäle Johannes Joachim Degenhardt und Friedrich Wetter kritisierten die Stammzellen-Entscheidung. (APA)

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