Kämpfe um afghanische Provinzhauptstadt Gardes abgeebbt

1. Februar 2002, 13:28
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Mindestens 61 Tote in zwei Tagen - Kämpfe behindern Impfaktion

Kabul/Washington - Nach zwei Tagen heftiger Kämpfe um die Hauptstadt der afghanischen Provinz Paktia, Gardes, bei denen mindestens 61 Menschen getötet wurden, hat sich am Freitag wieder eine gespannte Ruhe über die Stadt gelegt. Die Einheiten des paschtunischen Kriegsherrn Batsha Khan, der auf Seiten der Interimsregierung in Kabul steht, hätten sich zurückgezogen, erklärten Vertreter des Stadtrates. Geflohene Bewohner kehrten in ihre Häuser zurück. Batsha Khan hatte sich trotz der Widerstände in der Hauptstadt als Gouverneur der Provinz Paktia eingesetzt, was in der vergangenen Woche von der Interimsregierung in Kabul bestätigt wurde. Sein Bruder gehört der Regierung in Kabul an.

Die Kämpfer Batsha Khans beschossen das Stadtzentrum am Donnerstag mit Mörsergranaten. Die Truppen der Stadtregierung, der Shura, hatten sich in einer historischen Festung der Stadt verschanzt. Ein Teil von Batsha Khans Kämpfern drang am Mittwoch nach Gardes ein. Nach Berichten durchsuchten sie Haus für Haus und nahmen 200 Einwohner fest. Schwere Explosionen erschütterten die 20.000 Einwohner zählende Stadt.

Batsha Khan wirft Mitgliedern der Shura vor, sie seien Sympathisanten der Taliban und von Osama bin Ladens Organisation El Kaida. Dies wird von der Shura zurückgewiesen. Diese beschuldigt ihrerseits Batsha Khan, für den US-Luftangriff auf eine Delegation der Stadt verantwortlich zu sein, die am 21. Dezember vergangenen Jahres zur Amtseinführung von Ministerpräsident Hamid Karsai nach Kabul reisen wollte. Dabei kamen zwölf Menschen ums Leben.

Zu den Kämpfen war es gekommen, weil einige Stammesführer in der Paktia-Provinz die Ernennung von Gouverneur Sadran durch die Übergangsregierung nicht anerkennen wollten. Außenminister Abdullah sagte am Donnerstag auf dem Weltwirtschaftsforum in New York, der Konflikt sei ein isoliertes Ereignis. Gleichwohl sei er symptomatisch für das Land, in dem viele Einwohner bewaffnet sind. Die inneren Kämpfe seien ein Problem, das gelöst werden müsse. "Dies ist nicht nur eine Entscheidung für heute oder morgen", sagte Abdullah. (APA/AP/Reuters/dpa)

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