US-Kampfjets statt deutscher Fregatten

31. Jänner 2002, 13:27
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Waffenverkäufe an Chile erfahren heftige Kritik aus Nachbarländern

Santiago de Chile - Deutschland hat den Wettlauf mit den USA um den Verkauf von Waffen an Chile verloren.

Das südamerikanische Land verzichtete am Mittwoch (Ortszeit) auf den Kauf einer deutschen Fregatte und den Bau drei weiterer solcher Schiffe auf heimischen Werften. Stattdessen sei die Anschaffung von 16 US-Kampfjets des Typs F-16 zum Gesamtpreis von 660 Millionen Dollar (760 Millionen Euro) beschlossen worden, teilte Verteidigungsministerin Michelle Bachelet mit.

Kritik aus Nachbarländern

Die Aufrüstung der chilenischen Luftwaffe war auf starke Kritik der Nachbarländer gestoßen. Perus Regierung bedauerte ausdrücklich den Kauf der hochmodernen Kampfflugzeuge. Die USA verweigerten jedoch den Verkauf der zu dem Flugzeug gehörenden Raketen vom Typ Amraam. Die chilenischen F-16 würden damit zu den "teuersten Kunstflugzeugen der Welt" degradiert, kritisierten chilenische Gegner des Kaufs. Chile habe sich nur deshalb für die amerikanischen Waffen entschieden, um die Verhandlungen mit den USA über die Schaffung einer Freihandelszone nicht zu gefährden, schrieben einheimische Medien.

Schiffbauprogramm sah modernste Werft vor

Das mit Blohm + Voss geplante Schiffbauprogramm "Tridente" sah vor, dass in Hamburg bis 2006 eine Fregatte vom Typ Meko 200 ACH gebaut werden sollte. Dieser Typ ist 114 Meter lang und hat 168 Mann Besatzung. Bis 2010 waren der Bau drei weiterer Schiffe dieses Typs in Chile bei der Werft Asmar in der Hafenstadt Talcahuano geplant. Die Werft hätte zur modernsten ihrer Art in Südamerika ausgebaut werden sollen. Die Gesamtkosten waren auf 920 Millonen Dollar veranschlagt. Deutschlands Verteidigungsminister Rudolf Scharping hatte bei einem Besuch in Chile im vergangenen Mai vergeblich für das Projekt geworben.

Mit Deutschland geplantes Programm sei für unbestimmte Zeit verschoben

Wie mit den USA war auch mit der deutschen Seite eine Kompensation für den Kaufpreis durch Investitionen in gleicher Höhe in Chile ins Auge gefasst worden. Bachelet sagte, das mit Deutschland geplante Programm sei für unbestimmte Zeit verschoben. In Chile wurde davon ausgegangen, dass die Marine nun gebrauchte Schiffe aus den USA oder Großbritannien zum Stückpreis von etwa 40 Millionen Dollar (46,4 Mill. Euro/638 Mill. S) kaufen werde.(APA)

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