Keine Sünde oder Krankheit

31. Jänner 2002, 12:21
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Neuer Folder des katholischen Familienwerk widmet sich der "Seelsorge mit Schwulen und Lesben" - HOSI Linz begrüßt Publikation

Linz - Das Thema Homosexualität sorgt in der katholischen Kirche in Oberösterreich wieder für Diskussionen. Das Katholische Familienwerk der Diözese hat einen neuen Folder zum Thema "Seelsorge mit Schwulen und Lesben" heraus gebracht. Darin wird ausdrücklich betont, "dass homosexuelle Orientierung weder Perversion, Sünde noch Krankheit ist, sondern eine Veranlagung".

Bedauernd wird in dem Folder weiters festgestellt: "Die Realität in Kirche und Gesellschaft ist noch immer weit von der Vision entfernt, dass Lesben und Schwule - also solche - in unseren Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen mitleben, mitfeiern und mitarbeiten". Man wolle daher Homosexuellen und deren Angehörigen "kompetente seelsorgliche Beratung und Begleitung" anbieten, so das Katholische Familienwerk in der Publikation. Es werde davon ausgegangen, "dass die Würde der Person unabhängig von der sexuellen Orientierung ist" und "dass Gott jeden Menschen liebt und die Schöpfungszusage 'Gott sah, dass es gut war' auch für Lesben und Schwule gilt".

Solidarität und Stärkung für Homosexuelle

Seelsorge in diesem Bereich müsse eine Begegnung mit Schwulen und Lesben sein, "die deren Würde und Einmaligkeit achtet, fördert und verstärkt und Solidarität mit ihnen erfordert, wo dies nötig ist", wird in dem Folder formuliert. Weiters werden Adressen von Priestern, anderen Personen und Institutionen angeführt, an die sich Homosexuelle wenden können, wenn sie Beratung oder Hilfe brauchen.

Die Folder kamen jetzt heraus, sie sollen über verschiedene Einrichtungen der Diözese und der Katholischen Aktion verteilt werden. Inzwischen gibt es bereits erste Proteste aus konservativen Kreisen, sowohl beim Katholischen Familienwerk als auch im Bischofhof, angeblich soll auch schon in Rom interveniert worden sein. Gertraud Kopf vom Katholischen Familienwerk: "Wir haben vor der Veröffentlichung des Folders den Herrn Diözesanbischof darüber informiert, er steht nicht hinter allen Passagen des Textes, er hat die Herausgabe des Folders aber auch nicht verhindert".

"Auch in der Kirche Platz für Lesben und Schwule"

Die Homosexuelle Initiative Linz (HOSI Linz) begrüßte in einer Presseaussendung Mittwochnachmittag die Publikation des Katholischen Familienwerkes: Für viele Lesben und Schwule, aber auch für viele Angehörige, sei ihr Glaube und auch die Kirche wichtiger Teil im Leben. Und gerade dort seien sie bisher immer auf Intoleranz, Ablehnung und Ausgrenzung gestoßen, erklärte der Vereinssprecher der HOSI Linz, Rainer Bartel.

"Mit diesem Folder wird erstmals diesen Menschen signalisiert, dass es auch in der Kirche einen Platz für Lesben und Schwule geben könnte", stellte Bartel fest. Insofern sei diese Initiative des Katholischen Familienwerks in der Diözese Linz vorbildlich und nachahmenswert. Und außerdem sei es ein mutiger Schritt, sich über so viel Widerstand in dieser Kirche hinweg zu setzen, so Bartel abschließend.

(APA)

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