City Cinemas: Konkurs besiegelt Kinosterben

31. Jänner 2002, 13:34
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Das Kinoabenteuer ist beendet - "Sanierungs- Gespräche" mit Mailath- Pokorny scheiterten

Wien - "Es war ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang - das war klar." Michael Stejskal, einer der Gesellschafter der City Cinemas muss nun Kinopessimisten bestätigen: Das Spiel mit dem Risiko war nicht zu gewinnen. Das Kinoabenteuer wurde dieser Tage am Handelsgericht Wien offiziell beendet: Der Konkurs wurde beantragt.Die Kinogruppe City Cinemas hatte 1998 die Innenstadtkinos der ehemals stadteigenen Kiba trotz sanierungsbedürftiger Infrastruktur übernommen. Die neuen Besitzer wollten wieder mehr Besucher in die Kinos der Innenstadt holen.Wie der Standard bereits berichtete waren die Kosten für die Kinobetreiber aber nicht in den Griff zu bekommen. Unter anderem, weil durch teilweise Neuvermietungen der Gebäude, in denen die Kinosäle untergebracht waren, die Mieten um das Zehnfache explodierten - beim Flottenkino von 60.000 auf 660.000 Schilling monatlich. Die Konkurrenzsituation wurde durch die marktdominierende Constantin-Gruppe und die Zahl der Großkinos mehr als verschärft.

Sanierungsgespräche gescheitert

Letztlich sind alle Sanierungsgespräche mit dem Kulturressort Andreas Mailath- Pokornys (SP) gescheitert - das hatte sich bereits in den letzten Wochen deutlich abgezeichnet. Der Kulturstadtrat betonte immer, die Traditionskinos mit "anspruchsvollem Programm" unterstützen zu wollen. Dass die notwendige Förderung von 3,6 Millionen Euro (50 Millionen Schilling) für eine Gesamtsanierung inklusive Investitionen in Infrastruktur nicht zustande kam, begründet er mit dem EU-Recht: Er könne keine Wirtschaftsförderung betreiben. Der Antrag der Kinogesellschafter wurde abgelehnt.Dass keine Wirtschaftsförderung gezahlt wird - das vermag Peter Marboe, ehemaliger VP-Kulturstadtrat und in dieser Eigenschaft zum Teil mitverantwortlich für die Wiener Kinolandschaft, verstehen. Das man aber keine "kreativen Gespräche geführt hat", um eine Lösung im Sinne des Kulturauftrags der City- Kinos zu finden, aber nicht. "Es herrscht politischer Handlungsbedarf", so Marboe.

Keine Diskussion

Die City-Betreiber bedauern, dass ihr Konzept nicht einmal diskutiert worden sei. Man habe nur mit einem vom Kulturamt beauftragten Anwalt verhandeln können.Als "nachweislich falsch" weist man seitens der City Cinemas den Vorwurf Mailath- Pokornys zurück, man habe zur Sanierung keine Eigenmittel aufwenden wollen. Alleine um die Kinos zu retten, habe man 1,38 Millionen Euro (19 Mio. Schilling) aufgebracht. Zudem hätte man nochmals eine halbe Million Euro gegeben, um den Ausgleich zu schaffen, wird nun klar gestellt.

Keinen gemeinsamen Nenner

Zudem habe man eine billigere Fortführungsvariante angeboten: In den nächsten beiden Jahren mit einem Finanzbedarf von rund einer Million Euro weitermachen - man habe aber "bisher keinen gemeinsamen Nenner mit dem Kulturamt" finden können.Cineasten sind nun von der Entscheidung des Masseverwalters abhängig, ob sie in ihrem Lieblingskino nochmals auf die Leinwand starren können: Er entscheidet wie lange noch gespielt wird. Und wie die dann die einzelnen Kinos in der Konkursmasse verwertet werden. (Andrea Waldbrunner  - DER STANDARD, Print, 31.1.2002)

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