Gefälschte Ersatzteile profitabler als Drogen

31. Jänner 2002, 14:30
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Luftfahrt: Strenge Kontrollen in Österreich

Wien - "Die Kontrollbestimmungen in der heimischen Luftfahrt gehören weltweit zu den strengsten." Einen Skandal um defekte Ersatzteile für Flugzeuge, wie er derzeit Italien erschüttert, hält Josef Hackl in Österreich für nahezu unmöglich. Der Experte aus dem Verkehrsministerium ist selbst Pilot. "Und als solcher hab ich ein vitales Interesse an guten Teilen."

In Österreich seien grundsätzlich nur Ersatzteile zulässig, die das Zertifikat "JAA, Form 1" erfüllen. Die Abkürzung steht für Joint Aviation Authorities, eine internationale Kontrollkette von Herstellerbetrieben, Bescheinigungen und Behörden.

Deshalb sei es auch nicht möglich, dass gefälschte oder gar defekte Flugzeugteile, die die italienische Gesellschaft Panaviation angeboten haben soll, bei AUA, Lauda oder Tyrolean Airlines gelandet sein könnten. Wie berichtet, sind in Italien sechs Personen in Haft, 80.000 Teile von abgewrackten Air-Bus-Maschinen wurden beschlagnahmt. Die Anwältin von Panaviation weist Vorwürfe zurück. Auch von geheimen Bankkonten in Österreich könne keine Rede sein. Die Gattin des Geschäftsführers sei Österreicherin, ein Privatkonto in Wien daher normal. Die italienische Polizei vermutet aber, dass hier Bestechungsgelder liegen.

Der Fall wurde auch vom FBI übernommen, denn Panaviation belieferte in der Vergangenheit unter anderem American Airlines (AA). Die US-Bundespolizei hegt den Verdacht, dass der Absturz eines AA-Airbus auf den New Yorker Stadtteil Queens im vergangenen November durch einen defekten Ersatzteil verursacht wurde.

"Ähnliche Gerüchte häufen sich seit Jahren", sagt Maximilian Burger-Schneidlin vom Wiener Büro der Internationalen Handelskammer(ICC). Sicher sei: "Der Handel mit gefälschten Flugzeugersatzteilen hat, was den Profit betrifft, den illegalen Suchtgifthandel längst überflügelt."

Nach Schätzungen werden weltweit jährlich 30 Millionen Ersatzteile gebraucht. Pro Flugzeug können bis zu 100.000 Ersatzteile anfallen. Die meisten davon sind sehr klein, wie etwa Bolzen oder Spezialschrauben aus teuren Legierungen. Jedes Stück kostet mehrere Tausend US-Dollar. Für angeschlagene Betriebe ist die Versuchung, billigere und schlechtere Produkte zu verarbeiten, groß. Doch damit steigt auch das Unfallrisiko über den Wolken. (DER STANDARD,Print, 31.1.2002)

Michael Simoner icc-austria.org
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